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a:autonomie_der_kunst [2013/01/18 19:19]
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-Als zentrale Kategorie der idealistischen [[a:Ästhetik]] zählt die AdK nicht zum genuinen Vokabular von Marx und Engels. Im Rahmen der marxschen KrpÖ findet die Kunst nur eine periphere Berücksichtigung. Die Verschiebung gründet nicht in dem von Hegel formulierten transitorischen Charakter der Kunst als Ort gesteigerter Wahrheit, sondern in der Entfaltung der materiellen Produktion, d.h. in der »Feindlichkeit« des Kapitals gegenüber »gewissen geistigen Produktionszweigen, z.B. der Kunst und Poesie« (//TM//). Die Bedingungen der Warenproduktion haben die Hoffnung, das versöhnende Moment der AdK könne unvermittelt verwirklicht werden, bald zerstört. Unter der Erfahrung einer autoritären, politisch-konfessionell verengten »Zweckkunst« entstanden schon zu Lebzeiten von Marx und Engels unterschiedliche Strategien, deren eine über den Ästhetizismus in die polemische Formulierung des »l’art pour l’art« (Gauthier) einmündete. Neben dieser »autonomen« entwickelte sich auch eine »tendenzielle« Kunst (Balzac), an welcher sich Marx und Engels primär orientierten, ohne hierüber die Autonomie der ästhetischen Form an den Journalismus preiszugeben: »Schlechte Maler [müssen] ihrem Gemälde einen Zettel in den Mund legen«, »um zu sagen, was es bedeuten soll« (//HF//). Spätere Forderungen, parteiliche Literatur habe in Geschichtsschreibung überzugehen (Bredel), sind mit Zitaten von Marx und Engels ebenso wenig zu stützen wie ein flacher [[a:Abbild]]realismus.+Als zentrale Kategorie der idealistischen [[a:Ästhetik]] zählt die AdK nicht zum genuinen Vokabular von Marx und Engels. Im Rahmen der marxschen KrpÖ findet die Kunst nur eine periphere Berücksichtigung. Die Verschiebung gründet nicht in dem von Hegel formulierten transitorischen Charakter der Kunst als Ort gesteigerter Wahrheit, sondern in der Entfaltung der materiellen Produktion, d.h. in der »Feindlichkeit« des Kapitals gegenüber »gewissen geistigen Produktionszweigen, z.B. der Kunst und Poesie« (//TM//). Die Bedingungen der Warenproduktion haben die Hoffnung, das versöhnende Moment der AdK könne unvermittelt verwirklicht werden, bald zerstört. Unter der Erfahrung einer autoritären, politisch-konfessionell verengten »Zweckkunst« entstanden schon zu Lebzeiten von Marx und Engels unterschiedliche Strategien, deren eine über den Ästhetizismus in die polemische Formulierung des »l’art pour l’art« (Gauthier) einmündete. Neben dieser »autonomen« entwickelte sich auch eine »tendenzielle« Kunst (Balzac), an welcher sich Marx und Engels primär orientierten, ohne hierüber die Autonomie der ästhetischen Form an den Journalismus preiszugeben: »Schlechte Maler [müssen] ihrem Gemälde einen Zettel in den Mund legen«, »um zu sagen, was es bedeuten soll« (//HF//). Spätere Forderungen, parteiliche Literatur habe in Geschichtsschreibung überzugehen (Bredel), sind mit Zitaten von Marx und Engels ebenso wenig zu stützen wie ein flacher Abbildrealismus.
  
 Lässt demzufolge der institutionelle Status der AdK durchaus verschiedene Doktrinen zu, so hat doch die Verschärfung der gesellschaftlichen Widersprüche im Westeuropa des 20. Jh. breite Schichten der Künstler in die Privatheit gedrängt. Die hieraus folgende Beschränkung des Objektbereichs, der Bruch mit der künstlerischen Tradition und der Publikumserwartung usw. machten gerade in der Zeit sozialer [[k:Krise]]n die praktische Folgenlosigkeit der AdK bewusst und provozierten eine Gegenbewegung, die sich gegen den Autonomiestatus selbst richtete. Historische [[a:Avantgarde]]bewegungen wie die marxistisch orientierte »Produktionskunst«, der Dadaismus oder der Surrealismus forderten programmatisch die Humanisierung der Welt durch Liquidation der Differenz von »Kunst« und »Leben«. Diese Umkehrung des zentralen Postulats der AdK scheiterte jedoch daran, dass sie der bekämpften Ideologie letzten Endes verpflichtet blieb und die [[a:Arbeiterklasse]] als Adressaten nicht erreichte.  Lässt demzufolge der institutionelle Status der AdK durchaus verschiedene Doktrinen zu, so hat doch die Verschärfung der gesellschaftlichen Widersprüche im Westeuropa des 20. Jh. breite Schichten der Künstler in die Privatheit gedrängt. Die hieraus folgende Beschränkung des Objektbereichs, der Bruch mit der künstlerischen Tradition und der Publikumserwartung usw. machten gerade in der Zeit sozialer [[k:Krise]]n die praktische Folgenlosigkeit der AdK bewusst und provozierten eine Gegenbewegung, die sich gegen den Autonomiestatus selbst richtete. Historische [[a:Avantgarde]]bewegungen wie die marxistisch orientierte »Produktionskunst«, der Dadaismus oder der Surrealismus forderten programmatisch die Humanisierung der Welt durch Liquidation der Differenz von »Kunst« und »Leben«. Diese Umkehrung des zentralen Postulats der AdK scheiterte jedoch daran, dass sie der bekämpften Ideologie letzten Endes verpflichtet blieb und die [[a:Arbeiterklasse]] als Adressaten nicht erreichte. 

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