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-Nach Horkheimer und Adorno ist die ursprüngliche Einheit von B und Zeichen, die in mythischen <!--[-->[[k:Kultur|Kultur]]<!--]-->- und [[k:Kommunikation]]sformen gegeben war, im Zuge der Entmythologisierung (und weiter gefaßt der [[a:Aufklärung]] als epochenübergreifender Gesamtbewegung) unwiderruflich auseinandergefallen. Als Zeichen sei das Wort an die Wissenschaft gekommen, als Ton, als B, als eigentliches Wort sei es unter die Künste aufgeteilt worden. Soweit das B zum [[a:Abbild]] resignierte, hätten sich die Künste immer wieder nötigen lassen, zur »Welt noch einmal« zu werden, zur ideologischen Verdopplung, zur fügsamen Reproduktion; soweit das Zeichen zur Kalkulation resignierte, wäre Wissenschaft am Ende zu einem System abgelöster Zeichen geworden, bar jeglicher Intention, die das System transzendierte (1944). Gedacht war hier vor allem an die Idee der Formalisierung von Darstellungen durch Zeichen, mit denen man sinnvoll operieren kann, ohne sie interpretieren zu müssen. Die Idee der Formalisierung hat sich insbesondere in der Geschichte mathematischer und logischer Kalküle historisch entfaltet. [...]+Nach Horkheimer und Adorno ist die ursprüngliche Einheit von B und Zeichen, die in mythischen <!--[-->[[k:Kultur|Kultur]]<!--]-->- und [[k:Kommunikation]]sformen gegeben war, im Zuge der Entmythologisierung (und weiter gefaßt der [[a:Aufklärung]] als epochenübergreifender Gesamtbewegung) unwiderruflich auseinandergefallen. Als Zeichen sei das Wort an die Wissenschaft gekommen, als Ton, als B, als eigentliches Wort sei es unter die Künste aufgeteilt worden. Soweit das B zum [[a:Abbild]] resignierte, hätten sich die [[k:Kunst|Künste]] immer wieder nötigen lassen, zur »Welt noch einmal« zu werden, zur ideologischen Verdopplung, zur fügsamen Reproduktion; soweit das Zeichen zur Kalkulation resignierte, wäre Wissenschaft am Ende zu einem System abgelöster Zeichen geworden, bar jeglicher Intention, die das System transzendierte (1944). Gedacht war hier vor allem an die Idee der Formalisierung von Darstellungen durch Zeichen, mit denen man sinnvoll operieren kann, ohne sie interpretieren zu müssen. Die Idee der Formalisierung hat sich insbesondere in der Geschichte mathematischer und logischer Kalküle historisch entfaltet. [...]
  
 Heute befinden wir uns in einem symbolischen Feld, das durch gegenläufige Tendenzen gekennzeichnet ist. Auf der einen Seite hat die Formalisierung durch die Computerisierung eine historisch neuartige technologische Qualität gewonnen. Auf der anderen Seite potenzieren sich neuartige Formen ikonisch-indexikalischer Zeichenprozesse in Gestalt der »technischen B.er«, denen Vilém Flusser die Funktion zuschreibt, »aus dem durch Abstraktion in Punktelemente zerfallenen Universum ins Konkrete zurückzuführen« (1989). »Die technischen B.er sind Ausdruck des Versuchs, die Punktelemente um uns herum und in unserem Bewußtsein auf Oberflächen zu raffen, um die zwischen ihnen klaffenden Intervalle zu stopfen; des Versuchs, Elemente wie Photonen oder Elektronen einerseits und Informationsbits andererseits in B.er zu setzen.« (...) Technisch realisierte symbolische Maschinen stoßen jedoch insgesamt an Grenzen: »Maschinen sind Systeme, die nicht aus sich heraustreten können: Ein Satz, den eine Maschine produziert, kann nicht zugleich ein Satz über die Maschine sein. Zwar können Modifikationen des Maschinenprogramms unbegrenzt eingegeben werden, doch diese Modifikationen bleiben immer noch im Programm angelegt. Die Fähigkeit, aus Systemen herauszutreten, Programme zu verlassen, können wir auch Phantasie nennen.« (Krämer 1988) Die Künste »leben« von dieser Fähigkeit, die sie zugleich anregen; dies wäre kaum möglich gewesen, hätten sie in einem von aller Entwicklung kultureller Zeichenpotentiale abgetrennten B-Status verharrt.  Heute befinden wir uns in einem symbolischen Feld, das durch gegenläufige Tendenzen gekennzeichnet ist. Auf der einen Seite hat die Formalisierung durch die Computerisierung eine historisch neuartige technologische Qualität gewonnen. Auf der anderen Seite potenzieren sich neuartige Formen ikonisch-indexikalischer Zeichenprozesse in Gestalt der »technischen B.er«, denen Vilém Flusser die Funktion zuschreibt, »aus dem durch Abstraktion in Punktelemente zerfallenen Universum ins Konkrete zurückzuführen« (1989). »Die technischen B.er sind Ausdruck des Versuchs, die Punktelemente um uns herum und in unserem Bewußtsein auf Oberflächen zu raffen, um die zwischen ihnen klaffenden Intervalle zu stopfen; des Versuchs, Elemente wie Photonen oder Elektronen einerseits und Informationsbits andererseits in B.er zu setzen.« (...) Technisch realisierte symbolische Maschinen stoßen jedoch insgesamt an Grenzen: »Maschinen sind Systeme, die nicht aus sich heraustreten können: Ein Satz, den eine Maschine produziert, kann nicht zugleich ein Satz über die Maschine sein. Zwar können Modifikationen des Maschinenprogramms unbegrenzt eingegeben werden, doch diese Modifikationen bleiben immer noch im Programm angelegt. Die Fähigkeit, aus Systemen herauszutreten, Programme zu verlassen, können wir auch Phantasie nennen.« (Krämer 1988) Die Künste »leben« von dieser Fähigkeit, die sie zugleich anregen; dies wäre kaum möglich gewesen, hätten sie in einem von aller Entwicklung kultureller Zeichenpotentiale abgetrennten B-Status verharrt. 
 
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