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Gebrauchswert

A: al-qīma al-istiḫdāmīya. – E: use value. – F: valeur d’usage. – R: potrebitel’naja stoimost’. – S: valor de uso. – C: shiyong jiazhi

Frigga Haug

HKWM 4, 1999, Spalten 1259-1289

G kommt der klassischen marxschen Bestimmung zufolge einem Ding zu, »das durch seine Eigenschaften menschliche Bedürfnisse irgendeiner Art befriedigt«, egal, »ob sie z.B. dem Magen oder der Phantasie entspringen« (K I). G ist daher ein Relationsbegriff, der in dieser Allgemeinheit historisch unspezifisch Dingen als »Gegenstand der Befriedigung irgendeines Systems menschlicher Bedürfnisse« (Gr) zukommt. »G.e bilden den stofflichen Inhalt des Reichtums, welches immer seine gesellschaftliche Form sei.« (…) Die Angewiesenheit auf G.e ist insofern eine ›materialistische Grundtatsache‹ des Stoffwechsels Mensch-Natur. G ist nicht notwendig Arbeitsprodukt, aber G müssen alle Momente des produktiven Stoffwechsels mit der Natur (Arbeitskraft, Arbeitsmittel, Produkt) haben. Eine Theorie des G hat es daher mit der gesamten Kritik der politischen Ökonomie, ja umfassender der gesamten Theorie des historischen Materialismus zu tun.

Die G-Bestimmung muss eine Reihe epistemischer Täuschungen umgehen, die teils dem widersprüchlichen Status des Begriffs in der KrpÖ, teils seiner sprachlichen Gestalt, teils den Alltagserfahrungen und -praxen, teils politisch-ethischen Bewertungen zuzuschreiben sind: 1. G.e müssen nicht Waren sein, aber Waren müssen G haben: »Es ist dies ihre stoffliche Seite, die den disparatesten Produktionsepochen gemeinsam sein kann und deren Betrachtung daher jenseits der politischen Ökonomie liegt.« (Gr) Das wurde immer wieder (etwa von Hilferding) dahingehend missverstanden, Marx interessiere sich nicht für den G. Diese Auffassung verkennt, dass erstens »politische Ökonomie« die klassische bürgerliche Wirtschaftstheorie meint, die von der KrpÖ kategorial umfasst wird, welche wiederum nicht das Ganze der geschichtsmaterialistischen Theorie umgreift; dass zweitens der G auf spezifischen theoretischen Ebenen der KrpÖ eine wichtige Rolle spielt: »Der G fällt in ihren Bereich, sobald er durch die modernen Produktionsverhältnisse modifiziert wird oder seinerseits modifizierend in sie eingreift.« (Gr) Marx kann daher in den Randglossen darauf bestehen, »dass also bei mir der G eine ganz anders wichtige Rolle spielt als in der bisherigen Ökonomie« (…). – 2. Die Tatsache, dass der Term ›G‹ das Wort ›Wert‹ enthält, verführt zur Äquivokation mit dem Tauschwert. Doch enthält dieser »kein Atom G« (K I). – 3. Der Alltagsverstand (common sense) dagegen ›weiß‹ im Gegensatz zu dieser analytischen Scheidung, dass ›Qualität kostet‹. – 4. G ist nicht als solcher etwas politisch-ethisch ›Gutes‹, auch wenn alle materiellen Bedingungen ›guten Lebens‹ G-Charakter haben. G-Utopien und die Unterscheidung ›richtiger‹ und ›falscher‹ G.e als Korrelate ›richtiger/falscher Bedürfnisse‹ sind daher problematisch.

Aneignung, Arbeit, Arbeitsteilung, Bedürfnis, Besitz/Eigentum, Destruktivkräfte, Doppelcharakter der Arbeit, Eigentum, Energie, Entropie, Entwicklung, Erde, Exkremente der Produktion, Fabrikgesetzgebung, Fabrikräte/Arbeiterräte, Facharbeiter, falsche Bedürfnisse, Feminismus, Fetischcharakter der Ware, Feudalismus, Form, Fortschritt, Frankfurter Schule, Gebrauchswertversprechen, Gegensatz, Gegenstand, Geld, Gemeinwesen, Genuss, Gesellschaft, Gleichgültigkeit, immaterielle Arbeit, Kategorie, Kulturindustrie, Manipulation, Massenkonsum, Müll, Natur, Nützlichkeit, Ökologie, Produktion, Produktionsweise (antike), Produktivkräfte, Reichtum, Revolution, Studentenbewegung, Subsistenzproduktion, Tauschwert, Warenästhetik, Wertformanalyse

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