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g:gegensatz [2018/02/26 21:29]
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 Für die traditionelle <!--[-->[[m:Metaphysik|Metaphysik]]<!--]--> und ihre Reartikulation bei Hegel gewinnt G sein Interesse zunächst als Bindeglied zwischen Logik im weitesten Sinn (den Formalverhältnissen von [[b:Begriff|Begriffen]] und Aussagen), Ontologie und der politischen Funktion intellektueller Tätigkeit. Von polaren Begriffsbildungen (›links-rechts‹) über komplementäre (›Käufer-Verkäufer‹) bis zum Ausschließungsverhältnis (Annahme/Gegenannahme) strukturieren G.e die sprachlich-logischen Raster, mit denen wir uns in der Welt orientieren; von Klassifikationen wie ›körperlich-geistig‹ bis zur Auffassung der Gesamtwirklichkeit als [[k:Kampf]] gliedern G.e Seinsordnungen; durch die Integration gegensätzlicher Positionen schließlich etabliert sich Philosophie als politische [[i:Instanz]]. Die von Hegel geprägte Dialektik nutzt den G-Begriff ausgehend von der letzten Möglichkeit dazu, die Beschränktheit definitiver Stellungnahmen zu hintergehen und scheinbar feststehende bzw. selbständige Realitäten als ›Momente‹ eines Entwicklungsgangs bzw. systemischen Zusammenhangs zu begreifen. ›G‹ gerät damit in Nachbarschaft zu einer Reihe dialektischer Bewegungsbegriffe, vornehmlich Widerspruch und [[a:Antagonismus]], mit denen er oft synonym verwendet wird, aber auch Antithese, Negation, Entzweiung, [[e:Extreme|Extrem]]. Anders als die ›Entzweiung‹ weist er jedoch nicht auf eine vorausliegende [[e:Einheit]] zurück, und anders als der ›Widerspruch‹ ist er nicht vom Standpunkt eines Systemzusammenhangs gebildet. Für die traditionelle <!--[-->[[m:Metaphysik|Metaphysik]]<!--]--> und ihre Reartikulation bei Hegel gewinnt G sein Interesse zunächst als Bindeglied zwischen Logik im weitesten Sinn (den Formalverhältnissen von [[b:Begriff|Begriffen]] und Aussagen), Ontologie und der politischen Funktion intellektueller Tätigkeit. Von polaren Begriffsbildungen (›links-rechts‹) über komplementäre (›Käufer-Verkäufer‹) bis zum Ausschließungsverhältnis (Annahme/Gegenannahme) strukturieren G.e die sprachlich-logischen Raster, mit denen wir uns in der Welt orientieren; von Klassifikationen wie ›körperlich-geistig‹ bis zur Auffassung der Gesamtwirklichkeit als [[k:Kampf]] gliedern G.e Seinsordnungen; durch die Integration gegensätzlicher Positionen schließlich etabliert sich Philosophie als politische [[i:Instanz]]. Die von Hegel geprägte Dialektik nutzt den G-Begriff ausgehend von der letzten Möglichkeit dazu, die Beschränktheit definitiver Stellungnahmen zu hintergehen und scheinbar feststehende bzw. selbständige Realitäten als ›Momente‹ eines Entwicklungsgangs bzw. systemischen Zusammenhangs zu begreifen. ›G‹ gerät damit in Nachbarschaft zu einer Reihe dialektischer Bewegungsbegriffe, vornehmlich Widerspruch und [[a:Antagonismus]], mit denen er oft synonym verwendet wird, aber auch Antithese, Negation, Entzweiung, [[e:Extreme|Extrem]]. Anders als die ›Entzweiung‹ weist er jedoch nicht auf eine vorausliegende [[e:Einheit]] zurück, und anders als der ›Widerspruch‹ ist er nicht vom Standpunkt eines Systemzusammenhangs gebildet.
  
-Marx setzt den G-Begriff vorrangig ein, um Perspektiven gesellschaftlicher Transformation zu erschließen. Gelingt es, die Konflikte von [[i:Interesse]]ngruppen und die Kollision von [[h:Handlung]]sorientierungen in ihrem Zusammenhang abzubilden, wird geschichtlicher Wandel begreifbar und gestaltbar: die [[k:Krise]]nlogik des G-Nexus gibt Anlass zu seiner Umwälzung, und die politische Opposition treibt sie voran. Bei Marx und seinen Nachfolgern überwiegt freilich, wo geschichtliche [[f:Formationstheorie|Formationen]] – insbesondere der zerrissene Zusammenhang der kapitalistischen Gesellschaft – strukturanalytisch charakterisiert werden sollen, der Begriff des Widerspruchs. Inhaltlich bedeutet dies zumeist, dass die herzustellende Perspektive der Vermittlung sozialer G.e in die Einheitsperspektive einer logisch-geschichtlichen Totalität überführt wird. Umgekehrt verstellen die liberalistischen und postmodernen Ideologien der Pluralität die Möglichkeit, einen veränderbaren Gesamtzusammenhang von G.en auch nur zu denken; übrig bleibt eine Vielheit formal gleichberechtigter Partikularinteressen, von denen sich faktisch die ökonomisch und machtstaatlich stärksten durchsetzen. Ein erneuertes marxistisches G-Denken böte in beiden Fällen Gegenmittel. +Marx setzt den G-Begriff vorrangig ein, um Perspektiven gesellschaftlicher Transformation zu erschließen. Gelingt es, die Konflikte von [[i:Interesse|Interessen]]gruppen und die Kollision von [[h:Handlung|Handlungs]]orientierungen in ihrem Zusammenhang abzubilden, wird geschichtlicher Wandel begreifbar und gestaltbar: die [[k:Krise|Krisen]]logik des G-Nexus gibt Anlass zu seiner Umwälzung, und die politische Opposition treibt sie voran. Bei Marx und seinen Nachfolgern überwiegt freilich, wo geschichtliche [[f:Formationstheorie|Formationen]] – insbesondere der zerrissene Zusammenhang der kapitalistischen Gesellschaft – strukturanalytisch charakterisiert werden sollen, der Begriff des Widerspruchs. Inhaltlich bedeutet dies zumeist, dass die herzustellende Perspektive der Vermittlung sozialer G.e in die Einheitsperspektive einer logisch-geschichtlichen Totalität überführt wird. Umgekehrt verstellen die liberalistischen und postmodernen Ideologien der Pluralität die Möglichkeit, einen veränderbaren Gesamtzusammenhang von G.en auch nur zu denken; übrig bleibt eine Vielheit formal gleichberechtigter Partikularinteressen, von denen sich faktisch die ökonomisch und machtstaatlich stärksten durchsetzen. Ein erneuertes marxistisches G-Denken böte in beiden Fällen Gegenmittel. 
    
  

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g/gegensatz.txt · Zuletzt geändert: 2018/03/09 12:21 von flo     Nach oben
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