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Heimarbeit/Telearbeit

A: al-‛amal fi-l-bait/al-‛amal mina-l-manzil. – E: putting-out, homeworking, outwork/telework. – F: travail à domicile / télétravail. – R: nadomnaja rabota/telerabota. – S: trabajo en casa/teletrabajo. – C: jia ting shou gong lao dong/xian dai da gong ye 家庭手工劳动 / 现代大工业

Ursula Huws, Mario Candeias

HKWM 6/I, 2004, Spalten 32-45

Der Begriff H als unterschieden von Arbeit schlechthin erhielt seine Bedeutung im Kontext des aufkommenden Fabriksystems. Bis zur Entwicklung getrennter spezieller Arbeitsplätze, an denen Gruppen von Arbeitern zusammen beaufsichtigt wurden, war es selbstverständlich, dass fast alle Arbeitsarten in Gebäuden verrichtet wurden, die auch Wohnstätten waren. Das ›Heim‹ vor der Industriellen Revolution unterschied sich deutlich von der modernen Vorstellung eines privaten Raumes für eine Kernfamilie, der nur für Tätigkeiten genutzt wird, die kein Geld bringen. Es umfasste eine Vielfalt verschiedener Formen gesellschaftlicher Arbeitsverhältnisse einschließlich der Nutzung von Sklavenarbeit, der von Hausgesinde, Wanderarbeitern, Lehrlingen und Mitgliedern der Familie im weiteren Sinn. Es konnte eine strohgedeckte Lehmhütte, ein Schloss oder gar ein Palast sein, in dem so viele Menschen wohnten wie in einem kleinen Dorf. Es gab natürlich auch Arbeiten, die außerhalb des ›Heims‹ ausgeführt wurden – wie z.B. Bergbau, Bau, Transport und Fischen. Dennoch ist es sinnvoll, die Entwicklung des Fabriksystems als Beginn einer symbolischen Trennung zwischen einem wachsenden öffentlichen Bereich bezahlter Arbeit und einem privaten Bereich mit Tätigkeiten der Reproduktion und des Konsums zu sehen. Seit dem 19. Jh. ist in den fortgeschrittenen kapitalistischen Ländern diese Trennung zur Normalität geworden und geschlechtlich bestimmt. Das bürgerliche Haus war der von einem ›weiblichen Engel‹ gehütete Hafen, in den aus den rauen Stürmen des Marktes zurückgekehrt wurde; von Männern der Arbeiterklasse wurde erwartet, dass sie einen Lebensweg anstrebten, auf dem sie einen ›Familienlohn‹ verdienen konnten, um ihre Frauen für die Versorgung von Heim und Kindern zu Hause lassen zu können, geschützt vor den Unannehmlichkeiten der äußeren Welt. In beiden Fällen war vorausgesetzt, dass der ›Ernährer‹ des Haushalts männlich sei und seine produktive Zeit außerhalb des Heims verbringe, während das weibliche Reich innen war. Diese Normen waren keineswegs allgemeingültig. Es gab nicht nur eine große Zahl von Frauen, und bis in die 1840er Jahre auch Kinder, die außerhalb des Heims bezahlter Arbeit nachgingen (vgl. K I); es gab auch eine beträchtliche Menge bezahlter Produktionsarbeit, die innerhalb des Haushaltes geleistet wurde, unter dem System der ›Auslagerung‹, durch das Heimarbeiter als ›überzählige‹ Kräfte angewandt wurden, gemeinhin im Stücklohn bezahlt, für eine Vielzahl von Montage-, Pack-, Reparatur- und Handwerksarbeiten.

Mit der Transnationalisierung der Produktion erfährt die H unter kapitalistischen Bedingungen ihre globale Ausweitung. Zugleich wecken neue Produktivkräfte wie Computer und Internet bei Frauen Hoffnung auf eine bessere Vereinbarkeit von Lohn- und Familienarbeit. Die Auswirkungen sind widersprüchlich. Die isolierte Form der H führt meist erneut zur Desorganisation der darin beschäftigten v.a. weiblichen Arbeitskräfte.

Arbeitslosigkeit, Arbeitsteilung, Ausbeutung, Dezentralisierung, Doppelbelastung, Einsamkeit, Fabrik, Fabrikgesetzgebung, Familienarbeit/Hausarbeit, Feminisierung der Arbeit, Frauenarbeit, Frauenarbeitspolitik, Frauenformen, Freie Produktionszonen, Gesamtarbeiter, Geschlechterverhältnisse, Haus, Hausarbeitsdebatte, Hausfrau, häusliche Produktionsweise, hochtechnologische Produktionsweise, informelle Wirtschaft, internationale Arbeitsteilung, Internet, Kinderarbeit, Lebensführung, Lohnform, privat/öffentlich, Produktivkräfte/Produktionsverhältnisse, Raum, Reproduktionsarbeit, Reproduktionsverhältnisse, Telearbeit, Zweifel

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h/heimarbeit_telearbeit.1427407660.txt.gz · Zuletzt geändert: 2015/04/05 22:08 (Externe Bearbeitung)     Nach oben
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