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-I. Als die Unterwerfung der von Marx geleiteten //Rheinischen Zeitung //unter die Aufsicht eines staatlich- preußischen Zensors »nicht half«, wurde »jede Nummer außer der gewöhnlichen noch in zweiter I der Zensur des Kölner Regierungspräsidenten unterworfen« (Engels, //Karl Marx//). »I« in diesem Sinn ist ein juridischer, speziell verwaltungsrechtlicher Begriff für den hierarchischen Aufbau von [[k:Kompetenz|Kompetenzen]] im Rahmen eines bürokratischen Staatsapparates. Geregelt ist dabei der Dienstweg oder Instanzenweg, der von unten nach oben zu durchlaufen ist, mit einer ›höchsten‹ oder ›letzten I‹ als abschließender [[e:Entscheidung]]sbefugnis, gegen die kein Einspruch mehr möglich ist. Metaphorisch abgeschliffen ist dieser I-Begriff in die Alltagssprache übergegangen. So auch in die Redeweise von Marx und Engels. »In erster I« bedeutet dann soviel wie ›zunächst‹, ›in erster Linie‹; »in letzter I« zumeist nicht viel mehr als ›letztlich‹. »›In letzter I‹ kann im Englischen als ›in the last analysis, in letzter Analyse‹, ›in the (court of) last resort, (beim) letztlich entscheidenden (Gerichtshof)‹, ›ultimately, letztendlich‹, ›in the final judgement, im abschließenden Urteil‹ wiedergegeben werden.« (Thompson 1980) Im starken Sinne meint ›I‹ eine [[i:Institution]] oder ein gesellschaftliches Teilsystem oder eine Systemebene, von wo eine eigenständige oder sogar entscheidende Wirkung ausgeht (z.B. »das Urteil des Marktes«). Einen epistemologischen Sinn gibt Peter Ruben der I-Metapher: die [[f:Funktion]] wissenschaftlicher »Modelle (einschließlich der zu ihnen gehörigen Theorien)« bestimmt er als die von »//Geltungsinstanzen für die Urteile //der entsprechenden Theorien« (1976).+I. Als die Unterwerfung der von Marx geleiteten //Rheinischen Zeitung //unter die Aufsicht eines staatlich- preußischen Zensors »nicht half«, wurde »jede Nummer außer der gewöhnlichen noch in zweiter I der Zensur des Kölner Regierungspräsidenten unterworfen« (Engels, //Karl Marx//). »I« in diesem Sinn ist ein juridischer, speziell verwaltungsrechtlicher Begriff für den hierarchischen Aufbau von [[k:Kompetenz|Kompetenzen]] im Rahmen eines bürokratischen Staatsapparates. Geregelt ist dabei der Dienstweg oder Instanzenweg, der von unten nach oben zu durchlaufen ist, mit einer ›höchsten‹ oder ›letzten I‹ als abschließender [[e:Entscheidung]]sbefugnis, gegen die kein Einspruch mehr möglich ist. Metaphorisch abgeschliffen ist dieser I-Begriff in die Alltagssprache übergegangen. So auch in die Redeweise von Marx und Engels. »In erster I« bedeutet dann soviel wie ›zunächst‹, ›in erster Linie‹; »in letzter I« zumeist nicht viel mehr als ›letztlich‹. »›In letzter I‹ kann im Englischen als ›in the last analysis, in letzter Analyse‹, ›in the (court of) last resort, (beim) letztlich entscheidenden (Gerichtshof)‹, ›ultimately, letztendlich‹, ›in the final judgement, im abschließenden Urteil‹ wiedergegeben werden.« (Thompson 1980) Im starken Sinne meint ›I‹ eine [[i:Institution]] oder ein gesellschaftliches Teilsystem oder eine Systemebene, von wo eine eigenständige oder sogar entscheidende Wirkung ausgeht (z.B. »das Urteil des <!--[-->[[m:Markt|Markt]]<!--]-->es«). Einen epistemologischen Sinn gibt Peter Ruben der I-<!--[-->[[m:Metapher|Metapher]]<!--]-->: die [[f:Funktion]] wissenschaftlicher »Modelle (einschließlich der zu ihnen gehörigen Theorien)« bestimmt er als die von »//Geltungsinstanzen für die Urteile //der entsprechenden Theorien« (1976).
  
 Im Anschluss an die vom späten Engels als marxistische Kernauffassung verbreitete These, Moral, Recht, Philosophie und Politik seien »in letzter I durch die Entwicklung der Produktivkräfte und der Austauschverhältnisse [bestimmt]« (//LF//), und z.T. unterm Einfluss des psychoanalytischen I.en- Modells von Sigmund Freud entwickelte sich in den 1960er Jahren v.a. im strukturalistischen Marxismus eine gesellschaftstheoretische Verwendung, der es darum ging, Ebenen und Handlungszentren des Sozialen in ihrer komplexen Wechselwirkung zu fassen. »Der Begriff I fungiert hier, nicht anders als bei Freud, nach Art einer Metapher, Element eines Raums oder Teil eines Gebäudes.« (Bensussan 1985) Ist diese Topik räumlich-hierarchisch, so erscheint es radikaldemokratisch gewendeter kommunistischer Selbstkritik geboten, »v.a. die Vertikalität zu zerbrechen, in Begriffen von Netzen und nicht von I.en zu argumentieren« (Martelli 2001). Doch auch das Netz weist von »Gatekeepern« besetzte mehr oder weniger strategische Knotenpunkte auf, die etwa als Filter-I.en entscheiden, was auf die nächste Ebene durchkommt und was hängenbleibt (vgl. Badura 1972). Im Anschluss an die vom späten Engels als marxistische Kernauffassung verbreitete These, Moral, Recht, Philosophie und Politik seien »in letzter I durch die Entwicklung der Produktivkräfte und der Austauschverhältnisse [bestimmt]« (//LF//), und z.T. unterm Einfluss des psychoanalytischen I.en- Modells von Sigmund Freud entwickelte sich in den 1960er Jahren v.a. im strukturalistischen Marxismus eine gesellschaftstheoretische Verwendung, der es darum ging, Ebenen und Handlungszentren des Sozialen in ihrer komplexen Wechselwirkung zu fassen. »Der Begriff I fungiert hier, nicht anders als bei Freud, nach Art einer Metapher, Element eines Raums oder Teil eines Gebäudes.« (Bensussan 1985) Ist diese Topik räumlich-hierarchisch, so erscheint es radikaldemokratisch gewendeter kommunistischer Selbstkritik geboten, »v.a. die Vertikalität zu zerbrechen, in Begriffen von Netzen und nicht von I.en zu argumentieren« (Martelli 2001). Doch auch das Netz weist von »Gatekeepern« besetzte mehr oder weniger strategische Knotenpunkte auf, die etwa als Filter-I.en entscheiden, was auf die nächste Ebene durchkommt und was hängenbleibt (vgl. Badura 1972).

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