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Lib-Lab

A: līb-lāb. – E: lib-lab. – F: lib-lab. – S: lib-lab. – R: lib-lab. - C: gongdang-ziyoudang lianmeng 工党-自由党联盟

Jörn Wegner

HKWM 8/I, 2012, Spalten 1059-1067

›Liberal-Labour‹ ist ein Schlagwort, das bes. im Vereinigten Königreich des späten 19. Jh. eine Konstellation bezeichnet, in der die Arbeiterbewegung die Durchsetzung ihrer politischen Ziele an die Kooperation mit dem Liberalismus bindet. Edward P. Thompson bewertete diese Zusammenarbeit als »eine vorübergehende Phase der Verbürgerlichung«, die ein »politisches Bewusstsein der Kollaboration oder des ›Lib-Labism‹« dominant werden ließ und Prozesse in Gang setzte, »welche die Grundlage für einen neuen Typ ›proletarischen Klassenbewusstseins‹ schufen« (1960). Unter L-L fielen sowohl offizielle Abkommen, die sog. L-L Pacts, als auch informelle Absprachen und Kooperationen. Die ihm entsprechende Reformpolitik des Trade-Unionismus, »als dessen klassischer Vertreter der satte, korrekte, engherzige, beschränkte, bürgerlich denkende und empfindende Arbeiter-Gentleman erscheint«, brachte für Rosa Luxemburg den Beweis, »dass die gewerkschaftliche Bewegung an und für sich noch gar nichts Sozialistisches ist, ja dass sie unter Umständen ein direktes Hindernis für die Verbreitung des sozialistischen Bewusstseins sein kann« (1899, GW 1/1).

Auch Ende des 20. und zu Beginn des 21. Jh. werden Kontakte, Koalitionen und Absprachen zwischen Labour Party und Liberal Democrats noch immer als L-L bezeichnet. Die Beziehungen zwischen Arbeiterbewegung und Liberalismus haben die Entwicklung der politischen Linken und ihrer Organisationen in unterschiedlicher Weise geprägt. Ein stark verwurzelter Liberalismus konnte, wie in den USA, mit dem völligen Fehlen einer sozialistischen oder Arbeiterpartei einhergehen. Ob der Einfluss des Liberalismus für die Herausbildung solcher Parteien generell hinderlich war, ist umstritten (vgl. Archer 2007). Zumindest im Vereinigten Königreich bildete sich eine eigenständige Arbeiterpartei vergleichsweise spät heraus.

Mit dem Zerfall des fordistischen Blocks und der darauf folgenden Epoche des transnationalen Hightech-Kapitalismus, dessen globale Konkurrenzverhältnisse sozialdemokratische Kompromissformen auf nationaler Ebene zunehmend erschwerten und dem Neoliberalismus Auftrieb gaben, stellt sich das Problem der Koalitionen zwischen Sozialisten und Liberalen erneut, zumal vor dem Hintergrund von New Labour als Fusion von Sozialdemokratie und neoliberaler Ideologie in den 1990er Jahren. Unter dem Einfluss von New Labour entstanden in ganz Europa neue Formen von Koalitionen sozialdemokratischer, liberaler und konservativer Parteien.

Anarchosyndikalismus, Arbeiterbewegung, Arbeiterklasse, Arbeiterkultur, Arbeitspolitik, Ausbeutung, Bourgeoisie, Bündnispolitik, bürgerliche Gesellschaft, Demokratie, Emanzipation, Europa, Fabianismus, Fabrik, Fordismus, Gegenkultur, geschichtlicher Block, Gewerkschaften, Hegemonie, Industrialisierung, Kapitalismus, Kirche, Klassenbewusstsein, Klassenherrschaft, Klassenkampf, Klassenkompromiss, Kompromiss, Konkurrenz, Konservatismus, Kooperation, Kräfteverhältnis, Kultur, Legaler Marxismus, Liberalismus, links/rechts, Luxemburgismus, Macht, Mittelschichten, nationale Besonderheit, Neoliberalismus, Organisation, Parlamentarismus, Politik, Politik des Kulturellen, Produktionsverhältnisse, Proletariat, Reform, Reformismus, Reichtum, Religion, Revisionismus, Revisionismusstreit, Revolution, Sozialdemokratie, Sozialdemokratische Programme, Sozialdemokratismus, Sozialismus, Sozialliberalismus, Sozialpolitik, Wahlen, Zukunft

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