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l:liebe [2015/03/27 00:08]
christian
l:liebe [2018/02/26 21:29] (aktuell)
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 III. In der hebräischen Bibel kommt das Verb //ahab,// lieben, 141 Mal vor. Verwandt sind //oheb,// Geliebter, und //ahaba,// L. Die Wortgruppe deckt alle Stufen von L ab, von erotischer Leidenschaft über Freundschaft (vgl. die Erzählung über die Freundschaft zwischen David und Jonathan, 1 //Sam// 18-19) bis zur Solidarität, etwa das Wort über die Nächstenliebe in //Levitikus:// »Mit deinem Gefährten sei solidarisch wie mit dir selbst.« (19,18) Die L hat in der Bibel zwei Objekte: <!--[-->[[g:Gott|Gott]]<!--]--> und den Gefährten bzw. Nächsten. Die L zu Gott ist sozusagen der kategorische Imperativ des Judentums: »Höre Israel, JHWH, dein Gott, JHWH, Einmaliger. Du sollst JHWH lieben mit deinem ganzen Herzen, deiner ganzen Seele, deiner ganzen Leidenschaft« (//Deuteronomium// 6,4f). Da JHWH als singulärer Gottesname für eine Gesellschaftsordnung der Freien und Gleichen steht, soll die Haltung zu dieser Gesellschaftsordnung eine Herzensangelegenheit sein, deswegen »lieben«. Die Gesellschaftsordnung der Freien und Gleichen setzt zwingend die Solidarität unter den Gesellschaftsmitgliedern voraus: Sie setzen sich für die <!--[-->[[f:Freiheit|Freiheit]]<!--]--> und <!--[-->[[g:Gleichheit|Gleichheit]]<!--]--> des in Not geratenen konkreten Mitmenschen, den »Gefährten, Nächsten« ein. Deswegen ist das Liebesgebot notwendig ein Doppelgebot: Die Gesellschaftsordnung an sich und jeder Mensch in dieser Gesellschaft sollen eine Herzensangelegenheit sein. III. In der hebräischen Bibel kommt das Verb //ahab,// lieben, 141 Mal vor. Verwandt sind //oheb,// Geliebter, und //ahaba,// L. Die Wortgruppe deckt alle Stufen von L ab, von erotischer Leidenschaft über Freundschaft (vgl. die Erzählung über die Freundschaft zwischen David und Jonathan, 1 //Sam// 18-19) bis zur Solidarität, etwa das Wort über die Nächstenliebe in //Levitikus:// »Mit deinem Gefährten sei solidarisch wie mit dir selbst.« (19,18) Die L hat in der Bibel zwei Objekte: <!--[-->[[g:Gott|Gott]]<!--]--> und den Gefährten bzw. Nächsten. Die L zu Gott ist sozusagen der kategorische Imperativ des Judentums: »Höre Israel, JHWH, dein Gott, JHWH, Einmaliger. Du sollst JHWH lieben mit deinem ganzen Herzen, deiner ganzen Seele, deiner ganzen Leidenschaft« (//Deuteronomium// 6,4f). Da JHWH als singulärer Gottesname für eine Gesellschaftsordnung der Freien und Gleichen steht, soll die Haltung zu dieser Gesellschaftsordnung eine Herzensangelegenheit sein, deswegen »lieben«. Die Gesellschaftsordnung der Freien und Gleichen setzt zwingend die Solidarität unter den Gesellschaftsmitgliedern voraus: Sie setzen sich für die <!--[-->[[f:Freiheit|Freiheit]]<!--]--> und <!--[-->[[g:Gleichheit|Gleichheit]]<!--]--> des in Not geratenen konkreten Mitmenschen, den »Gefährten, Nächsten« ein. Deswegen ist das Liebesgebot notwendig ein Doppelgebot: Die Gesellschaftsordnung an sich und jeder Mensch in dieser Gesellschaft sollen eine Herzensangelegenheit sein.
  
-IV. [...] Die Rekonstruktion des Liebesbegehrens beginnt mit einer Art Mitgift: »<!--[-->[[e:Eros|Eros]]<!--]--> [...], der gliederlösende, der allen Göttern und Menschen den Sinn in der Brust überwältigt und ihr besonnenes Denken« (Hesiod), als Gabe für den <!--[-->[[g:Genuss|Genuss]]<!--]--> an alle – Menschen wie Götter. Es folgt die lange Geschichte der Trennungen und Verfehlungen als Leidensgeschichte der Menschwerdung. Zwei Hauptlinien lassen sich erkennen. Die Menschen können sich ihre Natur nicht aneignen, solange sie die L metaphysisch als eine Art Extrawesen außerhalb ihrer selbst begreifen, das sie hinterrücks überfällt oder sich umgekehrt ihrer nicht bemächtigt, und solange ihre <!--[-->[[l:Lebensweise, Lebensbedingungen|Lebensbedingungen]]<!--]--> die Entwicklung ihrer Sinne nicht zulassen. Früh schon wird L in Sexualität und eigentliche oder wahre L gepalten, sodass die letztere körperlos scheint, die erstere ohne Entwicklung auf tierischem Niveau verbleibt. Das ist die widersprüchliche Grundlage über viele Jahrhunderte.+IV. [...] Die Rekonstruktion des Liebesbegehrens beginnt mit einer Art Mitgift: »<!--[-->[[e:Eros|Eros]]<!--]--> [...], der gliederlösende, der allen Göttern und Menschen den Sinn in der Brust überwältigt und ihr besonnenes Denken« (Hesiod), als Gabe für den <!--[-->[[g:Genuss|Genuss]]<!--]--> an alle – Menschen wie Götter. Es folgt die lange Geschichte der Trennungen und Verfehlungen als Leidensgeschichte der <!--[-->[[m:Menschwerdung|Menschwerdung]]<!--]-->. Zwei Hauptlinien lassen sich erkennen. Die Menschen können sich ihre Natur nicht aneignen, solange sie die L metaphysisch als eine Art Extrawesen außerhalb ihrer selbst begreifen, das sie hinterrücks überfällt oder sich umgekehrt ihrer nicht bemächtigt, und solange ihre <!--[-->[[l:Lebensweise, Lebensbedingungen|Lebensbedingungen]]<!--]--> die Entwicklung ihrer Sinne nicht zulassen. Früh schon wird L in Sexualität und eigentliche oder wahre L gepalten, sodass die letztere körperlos scheint, die erstere ohne Entwicklung auf tierischem Niveau verbleibt. Das ist die widersprüchliche Grundlage über viele Jahrhunderte.
  
-➫ <!--[-->[[a:Angst/Furcht|Angst]]<!--]-->, <!--[-->[[a:Anthropologie|Anthropologie]]<!--]-->, <!--[-->[[a:Antizipation|Antizipation]]<!--]-->, [[a:Arbeit]], <!--[-->[[a:Arbeiterbewegung|Arbeiterbewegung]]<!--]-->, <!--[-->[[a:Arbeitsteilung|Arbeitsteilung]]<!--]-->, <!--[-->[[a:Aufklärung|Aufklärung]]<!--]-->, <!--[-->[[b:Bedürfnis|Bedürfnis]]<!--]-->, <!--[-->[[b:Befreiung|Befreiung]]<!--]-->, <!--[-->[[b:Befriedigung|Befriedigung]]<!--]-->, <!--[-->[[b:Bestimmung, Determination|Bestimmung]]<!--]-->, <!--[-->[[b:Biologismus|Biologismus]]<!--]-->, <!--[-->[[b:Brecht-Linie|Brecht-Linie]]<!--]-->, <!--[-->[[b:bürgerliche Gesellschaft|bürgerliche Gesellschaft]]<!--]-->, <!--[-->[[d:Definition|Definition]]<!--]-->, [[d:Denken]], [[d:Dialektik]], <!--[-->[[d:Diskursanalyse|Diskursanalyse]]<!--]-->, <!--[-->[[d:Disziplin|Disziplin]]<!--]-->, <!--[-->[[e:Ehe|Ehe]]<!--]-->, <!--[-->[[e:Eigentlichkeit|Eigentlichkeit]]<!--]-->, <!--[-->[[e:Einsamkeit|Einsamkeit]]<!--]-->, 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<!--[-->[[l:Lebensführung|Lebensführung]]<!--]-->, [[m:Marxismus]], Mätresse, Mensch-Natur-Verhältnis, Moral, Mütter, Normen, Opfer-Täter, Ordnung, Pornographie, Produktion, Prostitution, Rationalisierung, Resurrektion, Sexualität, sexuelle Befreiung, Staat, Tod, Tugend, Utopie, Vernunft, Widerspruch, Zivilisation+➫ <!--[-->[[a:Angst/Furcht|Angst]]<!--]-->, <!--[-->[[a:Anthropologie|Anthropologie]]<!--]-->, <!--[-->[[a:Antizipation|Antizipation]]<!--]-->, [[a:Arbeit]], <!--[-->[[a:Arbeiterbewegung|Arbeiterbewegung]]<!--]-->, <!--[-->[[a:Arbeitsteilung|Arbeitsteilung]]<!--]-->, <!--[-->[[a:Aufklärung|Aufklärung]]<!--]-->, <!--[-->[[b:Bedürfnis|Bedürfnis]]<!--]-->, <!--[-->[[b:Befreiung|Befreiung]]<!--]-->, <!--[-->[[b:Befriedigung|Befriedigung]]<!--]-->, <!--[-->[[b:Bestimmung, Determination|Bestimmung]]<!--]-->, <!--[-->[[b:Biologismus|Biologismus]]<!--]-->, <!--[-->[[b:Brecht-Linie|Brecht-Linie]]<!--]-->, <!--[-->[[b:bürgerliche Gesellschaft|bürgerliche Gesellschaft]]<!--]-->, 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 [[http://www.inkrit.de/e_sx.php?id=945|{{:artikel_per_email.jpg}}]]  [[http://www.inkrit.de/e_sx.php?id=945|{{:artikel_per_email.jpg}}]] 
 
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