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m:materialismus_mechanischer [2018/03/08 15:12]
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m:materialismus_mechanischer [2018/03/20 10:35] (aktuell)
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-Was »mechanisch« passiert, ist dem verändernden Eingriff, der Praxis und der Geschichte entzogen. Solche Vorgänge gewinnen in bestimmten Dingen exemplarische <!--[-->[[g:Gestalt|Gestalt]]<!--]-->. Die durch eine innere Mechanik in Bewegung gesetzte Uhr verwandelt die verrinnende Zeit in ein homogenes Kontinuum und macht sie unabhängig von subjektiv empfundener Dauer messbar. Das Fließband konfrontiert die arbeitenden Subjekte mit einem ihrem Willen entzogenen Mechanismus unablässig sich stellender Aufgaben. Was bei seiner Erfindung ein äußerstes an Einfallsreichtum verlangte – daher der »Ingenieur«, der seinen Namen vom »Ingenium« herleitet, über das er wie die Automatenbauer des 18. Jh. reichlich verfügen muss –, ›verdinglicht‹ als funktionierender Mechanismus die von ihm erfassten Subjekte und macht sie, in der [[f:Fabrik]], zum »lebendigen Anhängsel« eines »toten Mechanismus« (Marx, //K I//, 23/445). Doch zugleich bewirkt das Paradigma des mM einen Sprung in der <!--[-->[[a:Aneignung|Aneignung]]<!--]--> der Natur und damit einen Zuwachs an <!--[-->[[h:Handlungsfähigkeit|Handlungsfähigkeit]]<!--]-->, welcher der bürgerlichen Klasse das Selbstbewusstsein verschafft, mit dem sie die natürliche Welt als ein unabhängig vom <!--[-->[[g:Gott|göttlichen]]<!--]--> Eingriff funktionierendes Ganzes auffassen und die revolutionäre Frage stellen kann: Wenn die Gesetze der Natur unabhängig von einer transzendenten <!--[-->[[i:Instanz #siehe zeile drüber|Instanz]]<!--]--> funktionieren, warum sollten dann nicht auch die Gesetze des menschlichen Zusammenlebens unabhängig vom Herrschaftsanspruch des Ersten und Zweiten Standes formuliert werden?+Was »mechanisch« passiert, ist dem verändernden Eingriff, der Praxis und der [[g:Geschichte]] entzogen. Solche Vorgänge gewinnen in bestimmten Dingen exemplarische <!--[-->[[g:Gestalt|Gestalt]]<!--]-->. Die durch eine innere Mechanik in Bewegung gesetzte Uhr verwandelt die verrinnende Zeit in ein homogenes Kontinuum und macht sie unabhängig von subjektiv empfundener Dauer messbar. Das Fließband konfrontiert die arbeitenden Subjekte mit einem ihrem Willen entzogenen Mechanismus unablässig sich stellender Aufgaben. Was bei seiner Erfindung ein äußerstes an Einfallsreichtum verlangte – daher der »Ingenieur«, der seinen Namen vom »Ingenium« herleitet, über das er wie die Automatenbauer des 18. Jh. reichlich verfügen muss –, ›verdinglicht‹ als funktionierender Mechanismus die von ihm erfassten Subjekte und macht sie, in der [[f:Fabrik]], zum »lebendigen Anhängsel« eines »toten Mechanismus« (Marx, //K I//, 23/445). Doch zugleich bewirkt das Paradigma des mM einen Sprung in der <!--[-->[[a:Aneignung|Aneignung]]<!--]--> der Natur und damit einen Zuwachs an <!--[-->[[h:Handlungsfähigkeit|Handlungsfähigkeit]]<!--]-->, welcher der bürgerlichen Klasse das Selbstbewusstsein verschafft, mit dem sie die natürliche Welt als ein unabhängig vom <!--[-->[[g:Gott|göttlichen]]<!--]--> Eingriff funktionierendes Ganzes auffassen und die revolutionäre [[f:Frage]] stellen kann: Wenn die Gesetze der Natur unabhängig von einer transzendenten <!--[-->[[i:Instanz]]<!--]--> funktionieren, warum sollten dann nicht auch die Gesetze des menschlichen Zusammenlebens unabhängig vom Herrschaftsanspruch des Ersten und Zweiten Standes formuliert werden?
  
 Im Blick auf die »Bildungsgeschichte der produktiven Organe des Gesellschaftsmenschen«, für die Marx die »gleiche Aufmerksamkeit« einfordert wie die von Charles Darwin auf die »Bildung der Pflanzen- und Tierorgane« verwendete, wird der »abstrakt naturwissenschaftliche Materialismus, der den geschichtlichen Prozess ausschließt« (23/392f, Fn. 89), jedoch zum <!--[-->[[e:Epistemologie|epistemologischen]]<!--]--> Hindernis. Eine »kritische Geschichte der Technologie« – kritisch in dem Sinne, dass dabei »das aktive Verhalten des Menschen zur Natur« (ebd.) ins Bild kommt – bringt den »Hauptmangel alles bisherigen Materialismus«, der die Wirklichkeit nicht als »//menschliche Tätigkeit, Praxis//« fasst, ans Licht (//ThF// 1, 3/5). Wo immer die Spezifik menschlichen, bewusst-planmäßigen Handelns eingeebnet wird, kehrt das Paradigma des mM wieder. So in der Debatte um den ›Posthumanismus‹, in der – unterm Eindruck von auf der Basis des Computers möglich gewordenen Artefakten – die ›Maschine Mensch‹, digital aufgerüstet, fröhliche Urständ feiert. Im Blick auf die »Bildungsgeschichte der produktiven Organe des Gesellschaftsmenschen«, für die Marx die »gleiche Aufmerksamkeit« einfordert wie die von Charles Darwin auf die »Bildung der Pflanzen- und Tierorgane« verwendete, wird der »abstrakt naturwissenschaftliche Materialismus, der den geschichtlichen Prozess ausschließt« (23/392f, Fn. 89), jedoch zum <!--[-->[[e:Epistemologie|epistemologischen]]<!--]--> Hindernis. Eine »kritische Geschichte der Technologie« – kritisch in dem Sinne, dass dabei »das aktive Verhalten des Menschen zur Natur« (ebd.) ins Bild kommt – bringt den »Hauptmangel alles bisherigen Materialismus«, der die Wirklichkeit nicht als »//menschliche Tätigkeit, Praxis//« fasst, ans Licht (//ThF// 1, 3/5). Wo immer die Spezifik menschlichen, bewusst-planmäßigen Handelns eingeebnet wird, kehrt das Paradigma des mM wieder. So in der Debatte um den ›Posthumanismus‹, in der – unterm Eindruck von auf der Basis des Computers möglich gewordenen Artefakten – die ›Maschine Mensch‹, digital aufgerüstet, fröhliche Urständ feiert.

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m/materialismus_mechanischer.txt · Zuletzt geändert: 2018/03/20 10:35 von flo     Nach oben
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