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m:metaphysische_denkweise [2018/03/16 17:31]
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m:metaphysische_denkweise [2018/03/16 17:33] (aktuell)
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-Im [[m:Marxismus]] ist mD der kritische Gegenbegriff zur dialektischen Denkweise. Vor allem Engels macht ihn stark (//AD//, 20/20 u.ö.), gefolgt von Antonio Labriola, der die mD als »metaphysisches //Laster//« (//SPh//, 328) bezeichnet. Doch selbst Hegel, auch wenn Marx seine dialektische Methode als »der Grundlage nach […] direktes Gegenteil« der hegelschen begreift (//K I//, 23/27), hat denselben Gegner. Er bekämpft den »//metaphysizierenden Empirismus//« (//Enz//, I, §60; W 8, 145) und den »sog. gesunden Menschenverstand, diesen ›ärgsten <!--[-->[[m:Metaphysik|Metaphysiker]]<!--]-->‹« (Korsch, GA 3, 357). Gemeint ist die dualistische Aufspaltung des Zusammenhängenden, die Stillstellung des Bewegten, die Isolierung des Wechselwirkenden, die das Vermittelte als Unmittelbares nimmt und diesem ein ›inneres‹ Wesen unterstellt. Das macht die mD zum Hemmnis im alltäglichen Handeln wie in der Theorie, bes. wenn die »Überraschungen der logisch fortschreitenden oder springenden Entwicklung, der Unstabilität aller Zustände, der Witz der Widersprüchlichkeiten« eine bewegliche [[h:Haltung]] verlangen (Brecht, GA 23, 290; GW 16, 702). Gemessen an der in der Politik wie allgemein ›im Leben‹ handlungsnotwendigen //praktischen// Dialektik droht mD zur Auslöserin //passiver// Dialektik zu werden, etwa wenn wir einem Scheitern »just durch die Art, ihm vorzubeugen, den Weg bahnen« (Haug 2008, 24). In einem Staat gerät dann »die Sicherheitspolitik zum Sicherheitsrisiko. Für eine sich dem [[k:Kapitalismus]] entgegensetzende [[g:Gesellschaftsformation]] kann es zur tödlichsten aller Gefahren werden, wenn sie ihre zivilgesellschaftlichen Fundamente, in denen sie nach Gramscis Einsicht noch im Moment des Zerbrechens ihres Gewaltpanzers dem Feind widerstehen könnte, verkümmern lässt oder sie in ihren inneren Feind verwandelt.« (Ebd.)+Im [[m:Marxismus]] ist mD der kritische Gegenbegriff zur dialektischen Denkweise. Vor allem Engels macht ihn stark (//AD//, 20/20 u.ö.), gefolgt von Antonio Labriola, der die mD als »metaphysisches //Laster//« (//SPh//, 328) bezeichnet. Doch selbst Hegel, auch wenn Marx seine dialektische [[m:Methode]] als »der Grundlage nach […] direktes Gegenteil« der hegelschen begreift (//K I//, 23/27), hat denselben Gegner. Er bekämpft den »//metaphysizierenden Empirismus//« (//Enz//, I, §60; W 8, 145) und den »sog. gesunden Menschenverstand, diesen ›ärgsten <!--[-->[[m:Metaphysik|Metaphysiker]]<!--]-->‹« (Korsch, GA 3, 357). Gemeint ist die dualistische Aufspaltung des Zusammenhängenden, die Stillstellung des Bewegten, die Isolierung des Wechselwirkenden, die das Vermittelte als Unmittelbares nimmt und diesem ein ›inneres‹ Wesen unterstellt. Das macht die mD zum Hemmnis im alltäglichen Handeln wie in der Theorie, bes. wenn die »Überraschungen der logisch fortschreitenden oder springenden Entwicklung, der Unstabilität aller Zustände, der Witz der Widersprüchlichkeiten« eine bewegliche [[h:Haltung]] verlangen (Brecht, GA 23, 290; GW 16, 702). Gemessen an der in der Politik wie allgemein ›im Leben‹ handlungsnotwendigen //praktischen// Dialektik droht mD zur Auslöserin //passiver// Dialektik zu werden, etwa wenn wir einem Scheitern »just durch die Art, ihm vorzubeugen, den Weg bahnen« (Haug 2008, 24). In einem Staat gerät dann »die Sicherheitspolitik zum Sicherheitsrisiko. Für eine sich dem [[k:Kapitalismus]] entgegensetzende [[g:Gesellschaftsformation]] kann es zur tödlichsten aller Gefahren werden, wenn sie ihre zivilgesellschaftlichen Fundamente, in denen sie nach Gramscis Einsicht noch im Moment des Zerbrechens ihres Gewaltpanzers dem Feind widerstehen könnte, verkümmern lässt oder sie in ihren inneren Feind verwandelt.« (Ebd.)
  
 Bei aller [[k:Kritik]] an der mD räumt Engels ein, dass ihre [[k:Kategorie|Kategorien]] »für den Alltagsgebrauch«, aber auch für den »wissenschaftlichen Kleinhandel […] ihre Gültigkeit [behalten]« (//DN//, 20/482). Dieser Nutzen bringe es mit sich, dass die mD sich im [[a:Alltagsverstand]] immer wieder reproduziert oder von der Kritik nicht erreicht wird. Hans Heinz Holz verwandelt Engels’ pragmatisches Zugeständnis unversehens in eine Norm, indem er die mD zur »notwendigen Stufe alltäglicher und wissenschaftlicher [[e:Erkenntnis]]« erklärt, »die nicht einfach zugunsten der [[d:Dialektik]] übersprungen werden darf« (1990, 402), was nur plausibel ist, wenn man letzterer ein fixes Wesen zu- und die nötige Beweglichkeit abspricht, also selber in die Falle der mD geht. Bei aller [[k:Kritik]] an der mD räumt Engels ein, dass ihre [[k:Kategorie|Kategorien]] »für den Alltagsgebrauch«, aber auch für den »wissenschaftlichen Kleinhandel […] ihre Gültigkeit [behalten]« (//DN//, 20/482). Dieser Nutzen bringe es mit sich, dass die mD sich im [[a:Alltagsverstand]] immer wieder reproduziert oder von der Kritik nicht erreicht wird. Hans Heinz Holz verwandelt Engels’ pragmatisches Zugeständnis unversehens in eine Norm, indem er die mD zur »notwendigen Stufe alltäglicher und wissenschaftlicher [[e:Erkenntnis]]« erklärt, »die nicht einfach zugunsten der [[d:Dialektik]] übersprungen werden darf« (1990, 402), was nur plausibel ist, wenn man letzterer ein fixes Wesen zu- und die nötige Beweglichkeit abspricht, also selber in die Falle der mD geht.

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m/metaphysische_denkweise.txt · Zuletzt geändert: 2018/03/16 17:33 von flo     Nach oben
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