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-B ist ein Schlüsselwort marxistischen Denkens, in theoretischer ebenso wie in praktisch-politischer Hinsicht. Im Satz »Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen [[b:beduerfnis|Bedürfnissen]]!« (...) wird eine zentrale gesellschaftspolitische Zielvorstellung – die B der Bedürfnisse aller Menschen – auf einen handlungsanleitenden konkret-utopischen Begriff gebracht. Der Begriff der B wird aber – anders als derjenige der Bedürfnisse, auf den er bezogen ist – in der marxistischen Theorie kaum weiter entfaltet. Was B als subjektiver Zustand besagt, wie dieser subjektive Zustand sich – im Unterschied zu demjenigen der Bedürftigkeit – auf die Bedeutungswahrnehmung und auf das menschliche Handeln auswirkt, in welchem Verhältnis B zu [[a:Aneignung]], [[k:Konsumtion]], [[g:Genuss]], der Lust, [[g:Glück]], aber auch zum Wunsch und zur gesellschaftlich organisierten [[a:Arbeit]] steht, darüber läßt sich den Schriften der Klassiker nur wenig entnehmen, und in der Rezeption wurde oft das Wenige noch ausgeblendet. Im Register der drei //Kapital//-Bände (...) findet sich ein Stichwort »B« ebensowenig wie im MEW-Gesamtregister von 1989 oder selbst im Sachverzeichnis von K. Holzkamps //Grundlegung der Psychologie// (1983). Auch der Satz: »solange das Bedürfnis des Menschen nicht befriedigt ist, ist er in //Unfrieden// mit seinen Bedürfnissen, also mit sich selbst« (...) trägt eher zum Verständnis von unbefriedigtem, frustriertem Bedürfnis bei als zum Verständnis von B. Das unbefriedigte Bedürfnis erscheint als Motor der Menschheitsgeschichte, als bewegende Kraft, die Widersprüche entfaltet, für ständigen [[f:Fortschritt]] sorgt und schließlich auch revolutionäre Umwälzungen in Gang setzt. Diese einseitige Sichtweise hat eine Tradition, die in Goethes //Faust// schon erkennbar ist und über die marxistischen Klassiker bis Brecht reicht. Demgegenüber wird die B von Bedürfnissen hinsichtlich ihres begrifflichen Inhaltes wie auch dessen, was sie bewirkt, eher als Selbstverständlichkeit aufgefaßt, deren weitere Explikation unnötig, unmöglich oder beides zugleich ist. +B ist ein Schlüsselwort marxistischen Denkens, in theoretischer ebenso wie in praktisch-politischer Hinsicht. Im Satz »Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen [[b:beduerfnis|Bedürfnissen]]!« (...) wird eine zentrale gesellschaftspolitische Zielvorstellung – die B der Bedürfnisse aller Menschen – auf einen handlungsanleitenden konkret-utopischen Begriff gebracht. Der Begriff der B wird aber – anders als derjenige der Bedürfnisse, auf den er bezogen ist – in der marxistischen Theorie kaum weiter entfaltet. Was B als subjektiver Zustand besagt, wie dieser subjektive Zustand sich – im Unterschied zu demjenigen der Bedürftigkeit – auf die Bedeutungswahrnehmung und auf das menschliche Handeln auswirkt, in welchem Verhältnis B zu [[a:Aneignung]], [[k:Konsumtion]], [[g:Genuss]], der Lust, [[g:Glück]], aber auch zum Wunsch und zur gesellschaftlich organisierten [[a:Arbeit]] steht, darüber läßt sich den Schriften der Klassiker nur wenig entnehmen, und in der Rezeption wurde oft das Wenige noch ausgeblendet. Im Register der drei //Kapital//-Bände (...) findet sich ein Stichwort »B« ebensowenig wie im MEW-Gesamtregister von 1989 oder selbst im Sachverzeichnis von K. Holzkamps //Grundlegung der Psychologie// (1983). Auch der Satz: »solange das Bedürfnis des Menschen nicht befriedigt ist, ist er in //Unfrieden// mit seinen Bedürfnissen, also mit sich selbst« (...) trägt eher zum Verständnis von unbefriedigtem, frustriertem Bedürfnis bei als zum Verständnis von B. Das unbefriedigte Bedürfnis erscheint als Motor der <!--[-->[[m:Menschheit|Menschheit]]<!--]-->sgeschichte, als bewegende Kraft, die Widersprüche entfaltet, für ständigen [[f:Fortschritt]] sorgt und schließlich auch revolutionäre Umwälzungen in Gang setzt. Diese einseitige Sichtweise hat eine Tradition, die in Goethes //Faust// schon erkennbar ist und über die marxistischen Klassiker bis Brecht reicht. Demgegenüber wird die B von Bedürfnissen hinsichtlich ihres begrifflichen Inhaltes wie auch dessen, was sie bewirkt, eher als Selbstverständlichkeit aufgefaßt, deren weitere Explikation unnötig, unmöglich oder beides zugleich ist. 
    
  
 
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