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l:latifundismus [2013/03/16 15:37]
christian
l:latifundismus [2015/03/26 23:07] (aktuell)
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-I. Der Begriff L stammt aus der römischen Geschichte und bezeichnete den Großgrundbesitz in Italien und fernen Provinzen, der zwar Rom mit Getreide versorgen sollte, aber v. a. den Besitzern ein materiell sorgloses Leben in Rom und Teilhabe an der politischen Macht ermöglichte. Die Agrarproduktion auf den Besitzungen wurde von römischen Aufsehern mit Sklaven betrieben. Die Eigentümer waren also //absentee landlords,// die nur bei besonderen Anlässen ihre Besitzungen aufsuchten. Diese Sozialstruktur hat zum Niedergang des römischen Reiches beigetragen. Später, bis ins 19. Jh., stand L schlechthin für allen Großgrundbesitz, charakterisiert durch extensive Bewirtschaftung großer Flächen, Ausschluss der wirklichen Produzenten vom Landbesitz, geringe Investitionen, hohen Konsum der Eigentümer (//conspicuous consumption//), Abhängigkeit der Gutsarbeiter bis zu Hörigkeit und Leibeigenschaft, lokale ökonomische und politische Macht der Gutsbesitzer, die auch formal oberste Amtsbehörde waren. Zu dieser Macht gehörten zahlreiche Privilegien, die dem Herrn sowohl die Verfügung über die unentgeltliche <!--[-->[[a:Arbeitskraft|Arbeitskraft]]<!--]--> mittels Frondiensten aller Art wie über die »Person des [[b:Bauern]], über die seiner Frau und seiner Töchter« sicherten (Engels, //Bauernkrieg,// 7/340).+I. Der Begriff L stammt aus der römischen Geschichte und bezeichnete den Großgrundbesitz in Italien und fernen Provinzen, der zwar Rom mit Getreide versorgen sollte, aber v. a. den Besitzern ein materiell sorgloses Leben in Rom und Teilhabe an der politischen <!--[-->[[m:Macht|Macht]]<!--]--> ermöglichte. Die Agrarproduktion auf den Besitzungen wurde von römischen Aufsehern mit Sklaven betrieben. Die Eigentümer waren also //absentee landlords,// die nur bei besonderen Anlässen ihre Besitzungen aufsuchten. Diese Sozialstruktur hat zum Niedergang des römischen Reiches beigetragen. Später, bis ins 19. Jh., stand L schlechthin für allen Großgrundbesitz, charakterisiert durch extensive Bewirtschaftung großer Flächen, Ausschluss der wirklichen Produzenten vom Landbesitz, geringe Investitionen, hohen Konsum der Eigentümer (//conspicuous consumption//), Abhängigkeit der Gutsarbeiter bis zu Hörigkeit und Leibeigenschaft, lokale ökonomische und politische Macht der Gutsbesitzer, die auch formal oberste Amtsbehörde waren. Zu dieser Macht gehörten zahlreiche Privilegien, die dem Herrn sowohl die Verfügung über die unentgeltliche <!--[-->[[a:Arbeitskraft|Arbeitskraft]]<!--]--> mittels Frondiensten aller Art wie über die »Person des [[b:Bauern]], über die seiner Frau und seiner Töchter« sicherten (Engels, //Bauernkrieg,// 7/340).
  
 II. Latifundium und L sind insofern historische Begriffe, als sie mit dem Wandel der Sache, die sie in verschiedenen historischen <!--[-->[[e:Epoche|Epochen]]<!--]--> bezeichnen, einen Bedeutungswandel durchmachen. Was in Lateinamerika als das //alte Latifundium// bezeichnet wird, hatte zwar noch gewisse Charakteristika des antiken, unterschied sich aber doch wesentlich von ihm; es wurde mit der Zeit durch das //traditionelle Latifundium// abgelöst, welches wiederum im 20. Jh. den vielfältigen Formen des //modernen Latifundiums// weichen musste. [...] II. Latifundium und L sind insofern historische Begriffe, als sie mit dem Wandel der Sache, die sie in verschiedenen historischen <!--[-->[[e:Epoche|Epochen]]<!--]--> bezeichnen, einen Bedeutungswandel durchmachen. Was in Lateinamerika als das //alte Latifundium// bezeichnet wird, hatte zwar noch gewisse Charakteristika des antiken, unterschied sich aber doch wesentlich von ihm; es wurde mit der Zeit durch das //traditionelle Latifundium// abgelöst, welches wiederum im 20. Jh. den vielfältigen Formen des //modernen Latifundiums// weichen musste. [...]
 
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l/latifundismus.1363444657.txt.gz · Zuletzt geändert: 2013/03/16 15:37 von christian     Nach oben
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