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Langer Marsch []

Langer Marsch

A: al-masīra aṭ-ṭawīla. – E: Long March. - F: longue marche. – R: dlinnyj marš. - S: larga marcha. – C: changzheng 长征

Wolfram Adolphi

HKWM 8/I, 2012, Spalten 691-704

Der Term LM steht in verschiedenen Sprachen als Metapher für eine langandauernde gesellschaftliche Anstrengung auf ein Ziel hin. Ralf Dahrendorf (1973) spricht von »Europas LM zur Union«, die Weltbank präsentiert 1997 unter dem Titel The Long March eine »Reform Agenda for Latin America and the Carribean in the Next Decade« (Burki/Perry 1997), bei den Präsidentschaftswahlen in den USA 2008 wird »La longue marche des Noirs américains pour la liberté et l’égalité« thematisiert (Assogba 2008).

Bezugspunkt für den übertragenen Gebrauch ist ein Ereignis, das China erschütterte und in der Folge weltgeschichtliche Wirkung entfaltete: die im engeren Sinne 1934-35, im weiteren 1932-37 dauernde, von der Gongchandang (KPCh) geführte mächtige Truppenbewegung, für die Mao Zedong im Dez. 1935 den Begriff Chang Zheng (LM) prägte (Spakowski 2009). Bes. häufige metaphorische Verwendung findet der Term daher auch in Bezug auf China selbst. Sun Shuyun sieht die Menschen in China »immer wieder zu weiteren ›Langen Märschen‹ angetrieben mit dem Ziel, China zu industrialisieren, die größte Bevölkerung der Welt zu ernähren, den Rückstand zum Westen aufzuholen, die sozialistische Wirtschaft zu reformieren, Menschen ins Weltall zu senden, das 21. Jh. zu bewältigen« (2008). Theo Bergmann (1996) sieht China auf dem »LM in die sozialistische Marktwirtschaft«, Hyekyung Cho »in den Kapitalismus« (2005a) bzw. »in die neoliberale Weltwirtschaft« (2005b).

Zehn Jahre vor dem chinesischen LM hatte 1924-27 in Brasilien ein LM stattgefunden, der keine dem chinesischen vergleichbare weltgeschichtliche Bedeutung erlangt hat, aber zu den bedeutendsten revolutionären Aktionen an der ›Peripherie‹ der imperialistischen Mächte im 20. Jh. gehört. Der aus antioligarchischen Aufständen des Tenentismo – der »Bewegung junger Offiziere« – hervorgegangene, von Luís Carlos Prestes und Miguel Costa geführte LM von 800 bis 1000 Offizieren (Levine 1970) führte über 25000 Kilometer; seine Teilnehmer agitierten unter dem Landproletariat für eine »Neuverteilung des Bodens« und den »bewaffneten Aufstand« (Cohen 2009). Nach seiner Zerschlagung durch Regierungstruppen und bewaffnete Banden baute sich auch um diesen LM ein »Volksmythos« auf, seine Führer gewannen »den Status von Nationalhelden« (Levine 1970). 1935 standen in einer von der KP Brasiliens mit Prestes initiierten »Nationalen Befreiungsallianz« 1,5 Mio Menschen gegen das pro-imperialistische Regime von Getúlio Vargas (Neubert 2009) – für Jahrzehnte der Höhepunkt der revolutionären Bewegung in Brasilien.

Eine mit eigenem politischem Inhalt aufgeladene Bedeutung hat das von Rudi Dutschke 1967 entworfene Bild vom »LM durch die bestehenden Institutionen« (1980) als Methode der revolutionären Linken zur Gewinnung kultureller Hegemonie erhalten. Damit waren der 68er-Bewegung in der BRD Impulse gegeben, von denen Oskar Negt zufolge »viel« geblieben ist, was als »Maulwurfsarbeit […] unter der Erde weitergelaufen ist« (zit. n. Heinemann/Jaitner 1993). Als derart gefasste Fortwirkung werden etwa die »Idee der direkten Demokratie«, die Einführung »starker Elemente der antiautoritären Erziehung« in den Schulen (Negt) sowie weitreichende Veränderungen in der »Institution Ehe und Familie« mit »Umkehrung der Geschlechterrolle« und »Verunsicherung der je männlichen und weiblichen Identität« (Stubenrauch 1977) diskutiert. Auch im englischsprachigen Raum gibt es einen solchen LM. Er ist eng mit der Entstehung der ›New Left‹ in den 1960er Jahren verbunden, und ein Echo auf seine ideelle Kraft ließ sich noch im Frühjahr 2011 vernehmen, als Konservative in den USA vor »Global Warming Alarmism’s Long March through State and Local Institutions« warnten: Wie einst die Aktivisten der New Left versuchten heute »tausende von regionalen, bundesstaatlichen und städtischen Organisationen« im Kampf gegen die globale Klimaerwärmung ihre Auffassungen mittels einer Durchdringung der Institutionen geltend zu machen (P. Wilson 2011).

Agrarfrage, antiautoritäre Bewegung, Arbeiterregierung/Arbeiter- und Bauernregierung, Arbeiterstaat/Arbeiter- und Bauernstaat, asiatische Produktionsweise, Aufstand, Bauern, Bauernbewegung, Bürgerkrieg, chinesische Kulturrevolution, chinesische Revolution, Entmaoisierung, Entwicklungsländer, Feudalismus, Frauenfrage, Gegenmacht, Großer Sprung, K-Gruppen, Kampf der zwei Linien, Kleinbauern, Komintern, Kriegskommunismus, Kulturrevolution, Maoismus, Mao-Zedong-Ideen, nationale Befreiung, nationaler Weg zum Sozialismus, Revolution, Revolutionstheorie, Sowjet, Sozialismus in einem Land, Stalinismus, Stellungskrieg/Bewegungskrieg, Studentenbewegung, Volkskommunen, Widersprüche im Volk

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