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links/rechts []

links/rechts

A: yasārī/yamīnī. – E: left/right. – F: gauche/droite. – R: levyj/pravyj. – S: izquierda/derecha. – C: zuǒ/yòu 左 / 右

Ingar Solty

HKWM 8/II, 2015, Spalten 1152-1168

Als Engels 1842 den Literaturhistoriker Alexander Jung ironisch »auf der äußersten Linken« verortet (1/433), im Januar 1848 in Paris »die Linken (die Partei des Herrn Odilon Barrot)« mit dem »Linkszentrum« und den »vernünftigen Radikalen« eine »vereinigte Opposition« bilden sieht (4/433) und sich im Februar 1848 über »die Poltrons [Feiglinge] der Linken« erregt (4/528), verwendet er den Ausdruck »links« zur Beschreibung parlamentarischer Auseinandersetzungen. Klassenmäßig präziser geht es zu, als er rückblickend die Position der französischen Arbeiterklasse nach der Niederschlagung des Juni-Aufstands 1848 auf die eines »äußersten linken Flügels der radikalen Bourgeoisie« beschränkt sieht (1888, 21/352). »Links« wird in der Folge zu einer Identifikation stiftenden Abgrenzung der marxistischen Arbeiterbewegung und anderer politischer Kräfte gegenüber der auf Privilegien und Ungleichheit gründenden »Rechten«. Doch tauchte der Gegensatz von l/r bald innerhalb der »Linken« selbst auf. So galt die von Stalin Ende der 1920er Jahre verfolgte Industrialisierungs- und Kollektivierungierungspolitik als »links«, der auf Abstand gehende Bucharin als »rechts«.

Was l/r jeweils konkret bedeutet, steht so wenig fest wie die nach Gestaltung verlangende Wirklichkeit. Die Unterscheidung ist aufnahmefähig für unterschiedliche und sogar gegensätzliche Positionen – und doch nützlich, um im Handgemenge Flagge zu zeigen. Sie wird in der Alltagssprache verwendet, um Positionen, Einstellungen, Grundorientierungen, sogar Lebensentwürfe zu charakterisieren und politische Auseinandersetzungen zu bewerten. In der bürgerlichen Wissenschaft entscheidet sich l/r am Verhältnis zur Gleichheit (vgl. Laponce 1981; Kühnl 1990, 17ff).

Als nach dem Kollaps des Staatssozialismus vom »Ende der Geschichte« (Fukuyama 1992) die Rede war, wurde die Brauchbarkeit der Unterscheidung überhaupt hinterfragt. Die grün-alternativen Bewegungen etwa wollten sich nicht (mehr) entlang der dualen Logik von egalitär/elitär, Fortschritt/Bewahrung usw. einordnen lassen (Spretnak 1985), und »marktsozialdemokratische« Parteien (Nachtwey 2009) wähnten sich »jenseits von links und rechts« und glaubten, den Begriff der Gleichheit durch den von Inklusion/Exklusion ersetzen zu können (Giddens 1994). Die auf der strukturellen Ungleichverteilung des Privateigentums an den Produktionsmitteln beruhende kapitalistische Produktionsweise wurde dadurch letztlich legitimiert, und bei Reformkonzepten wurden grundlegende Herrschaftsbedingungen und systemische Ursachen von Fehlentwicklungen ausgeklammert. Zugleich untermauerten andere die L/R-Unterscheidung (vgl. Bobbio 1994; Müller 1995; Breuer 1999, 13f; Noël/Thérien 2008, 6-31).

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l/links_rechts.txt · Zuletzt geändert: 2015/10/31 18:53 von christian     Nach oben
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