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i:industrialisierung [2013/08/16 11:05]
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i:industrialisierung [2018/02/26 21:29] (aktuell)
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-I ist ein komplexer und voraussetzungsvoller Prozess des Übergangs von der agrarischen und handwerklichen zur industriell-mechanischen Güterproduktion. Der Wortbedeutung nach steht //industria //(lat.) ursprünglich für »Tugend des Fleißes«, unabhängig von der Tätigkeitssphäre (Haushalt, Landwirtschaft, Gewerbe, [[h:Handel]]). In der ersten Hälfte des 19. Jh. wird »Industrie« zunächst Synonym für handwerkliches Gewerbe und ab den 1830/40er Jahren zu einer geläufigen Bezeichnung für die Produktionsform maschinell erzeugter Güter in [[f:Fabrik|Fabriken]]. In diesem Sinne spricht Robert v.Mohl (1835) sowohl von »Fabrik-Industrie« wie von »großer Industrie« – Begriffe, die von Marx und Engels übernommen werden. Seither wird Industrie mit Maschinerie, als ihrer technischen Basis, und mit Fabrik, als Ort und Organisationsform, in Verbindung gebracht. – Dem Wandel im Sprachgebrauch entspricht eine fortbestehende sprachliche Differenz zwischen der deutschen und angelsächsischen Verwendung. Während das Englische //industry //mit Gewerbe generell gleichsetzt (z.B. //finance industry//), umschreibt der deutsche Begriff spezieller das, was im Englischen //manufacturing industry //heißt. Im Deutschen bleibt das Verständnis an die engere Vorstellung von mechanischer Handarbeit, Massenproduktion und Fabrik gebunden.+I ist ein komplexer und voraussetzungsvoller Prozess des Übergangs von der agrarischen und handwerklichen zur industriell-mechanischen Güterproduktion. Der Wortbedeutung nach steht //industria //(lat.) ursprünglich für »Tugend des Fleißes«, unabhängig von der Tätigkeitssphäre (Haushalt, Landwirtschaft, Gewerbe, [[h:Handel]]). In der ersten Hälfte des 19. Jh. wird »Industrie« zunächst Synonym für handwerkliches Gewerbe und ab den 1830/40er Jahren zu einer geläufigen Bezeichnung für die Produktionsform maschinell erzeugter Güter in [[f:Fabrik|Fabriken]]. In diesem Sinne spricht Robert v.Mohl (1835) sowohl von »Fabrik-Industrie« wie von »großer Industrie« – Begriffe, die von Marx und Engels übernommen werden. Seither wird Industrie mit <!--[-->[[m:Maschinerie|Maschinerie]]<!--]-->, als ihrer technischen Basis, und mit Fabrik, als Ort und Organisationsform, in Verbindung gebracht. – Dem Wandel im Sprachgebrauch entspricht eine fortbestehende sprachliche Differenz zwischen der deutschen und angelsächsischen Verwendung. Während das Englische //industry //mit Gewerbe generell gleichsetzt (z.B. //finance industry//), umschreibt der deutsche Begriff spezieller das, was im Englischen //manufacturing industry //heißt. Im Deutschen bleibt das Verständnis an die engere Vorstellung von mechanischer Handarbeit, Massenproduktion und Fabrik gebunden.
  
 Der Prozess der I nimmt in der marxistischen Theorie einen paradigmatischen Stellenwert ein. An ihm wird die umwälzende Potenz der technischen und organisatorischen Produktivkräfte für den Charakter der Produktionsverhältnisse und damit der historischen Produktionsweise (im Sinne der widersprüchlichen Einheit von Produktionsverhältnissen und Produktivkräften) exemplarisch vorgeführt. Auch spätere I-Theorien (Weber 1921 u. 1923; Kerr u.a. 1960; Aron 1962; Hoselitz/Moore 1963) interessieren sich vorwiegend für die gesellschaftlichen Implikationen der technisch-organisatorischen ›Logik‹ der industriellen Produktionsweise, ohne allerdings in deren Dynamik eine systemsprengende Potenz zu identifizieren. Umstritten bleibt, ob der kapitalistische Weg der einzige zur I ist. – Bis zur Industriellen Revolution (IR) war die gesellschaftliche Produktion weitgehend gekennzeichnet durch bäuerliche Eigenwirtschaft, heimgewerbliche und hausindustrielle Produktion sowie kleinhandwerkliche Fertigung in den Städten, denen die Merkmale der modernen [[a:Arbeitsorganisation]] fehlten. Obwohl häufig mit ihrer //›take off//-Phase‹, der IR, gleichgesetzt, lässt sich I, schon aufgrund ihrer Dauer, eher als ein historischer [[e:Evolution]]sprozess darstellen, der sich vorwiegend aus technischen und wirtschaftlichen, aber auch aus sozialen, politischen und kulturellen Teilprozessen zusammensetzt. Ihre zentralen Triebkräfte und Begleiterscheinungen sind vertiefte [[a:Arbeitsteilung]], Einsatz von Maschinerie und rationale Rechnungsführung. Zu ihren wichtigsten Effekten gehören eine nachhaltige Steigerung der Arbeitsproduktivität, ständiges gesamtgesellschaftliches Wachstum des Güterausstoßes sowie zunehmende Abwanderung des gesellschaftlichen Arbeitskräftepotenzials aus dem primären (agrarischen) in den sekundären (industriellen) Wirtschaftssektor.  Der Prozess der I nimmt in der marxistischen Theorie einen paradigmatischen Stellenwert ein. An ihm wird die umwälzende Potenz der technischen und organisatorischen Produktivkräfte für den Charakter der Produktionsverhältnisse und damit der historischen Produktionsweise (im Sinne der widersprüchlichen Einheit von Produktionsverhältnissen und Produktivkräften) exemplarisch vorgeführt. Auch spätere I-Theorien (Weber 1921 u. 1923; Kerr u.a. 1960; Aron 1962; Hoselitz/Moore 1963) interessieren sich vorwiegend für die gesellschaftlichen Implikationen der technisch-organisatorischen ›Logik‹ der industriellen Produktionsweise, ohne allerdings in deren Dynamik eine systemsprengende Potenz zu identifizieren. Umstritten bleibt, ob der kapitalistische Weg der einzige zur I ist. – Bis zur Industriellen Revolution (IR) war die gesellschaftliche Produktion weitgehend gekennzeichnet durch bäuerliche Eigenwirtschaft, heimgewerbliche und hausindustrielle Produktion sowie kleinhandwerkliche Fertigung in den Städten, denen die Merkmale der modernen [[a:Arbeitsorganisation]] fehlten. Obwohl häufig mit ihrer //›take off//-Phase‹, der IR, gleichgesetzt, lässt sich I, schon aufgrund ihrer Dauer, eher als ein historischer [[e:Evolution]]sprozess darstellen, der sich vorwiegend aus technischen und wirtschaftlichen, aber auch aus sozialen, politischen und kulturellen Teilprozessen zusammensetzt. Ihre zentralen Triebkräfte und Begleiterscheinungen sind vertiefte [[a:Arbeitsteilung]], Einsatz von Maschinerie und rationale Rechnungsführung. Zu ihren wichtigsten Effekten gehören eine nachhaltige Steigerung der Arbeitsproduktivität, ständiges gesamtgesellschaftliches Wachstum des Güterausstoßes sowie zunehmende Abwanderung des gesellschaftlichen Arbeitskräftepotenzials aus dem primären (agrarischen) in den sekundären (industriellen) Wirtschaftssektor. 

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i/industrialisierung.1376643923.txt.gz · Zuletzt geändert: 2013/08/16 11:05 von oli     Nach oben
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