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i:internet [2018/03/07 11:23]
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i:internet [2018/03/07 14:30] (aktuell)
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 Im Mittelpunkt der frühen //internet dreams //avantgardistischer Technikakteure standen postmoderne Raumkonzepte (Hyperraum, [[i:Information]]sraum, Dataspace, Workspace, Virtualität). Die Rede vom //Cyberspace //(zuerst bei Gibson 1982) beschwor das eigenartig Neue, das mit dem I in die Welt gekommen ist. Die Frage, welche Rolle das [[i:Individuum]] in diesem neuen virtuellen Zusatzraum spielen würde, führte zu Konzeptionen der ›Posthumanität‹ und der Kyborgs (vgl. Haraway 1995; Gray 2002). Im Unterschied zu anderen technikbezogenen Sichtweisen ist hier die kritische Frage nach den <!--[-->[[m:Macht|Macht]]<!--]-->verhältnissen und damit nach Politik fast immer mitgedacht und utopisches wie dystopisches Denken angeregt worden (Capurro 1995; Stephenson 1992). Im Mittelpunkt der frühen //internet dreams //avantgardistischer Technikakteure standen postmoderne Raumkonzepte (Hyperraum, [[i:Information]]sraum, Dataspace, Workspace, Virtualität). Die Rede vom //Cyberspace //(zuerst bei Gibson 1982) beschwor das eigenartig Neue, das mit dem I in die Welt gekommen ist. Die Frage, welche Rolle das [[i:Individuum]] in diesem neuen virtuellen Zusatzraum spielen würde, führte zu Konzeptionen der ›Posthumanität‹ und der Kyborgs (vgl. Haraway 1995; Gray 2002). Im Unterschied zu anderen technikbezogenen Sichtweisen ist hier die kritische Frage nach den <!--[-->[[m:Macht|Macht]]<!--]-->verhältnissen und damit nach Politik fast immer mitgedacht und utopisches wie dystopisches Denken angeregt worden (Capurro 1995; Stephenson 1992).
  
-In den 1980er und 90er Jahren spiegelte sich die rasch ausgreifende Rolle des I in einer Fülle <!--[-->[[m:Metapher|metaphorisch]]<!--]-->er Neologismen wider, die ein eigenes kleines Wörterbuch füllen könnten (Netz, <!--[-->[[m:Markt|Markt]]<!--]-->, Datenautobahn, Sites, Domänen, Home, Hosts, Landscape, virtual community, digitale Stadt, global village, virtuelle [[g:Gesellschaft]], Netzwerkgesellschaft, User, Surfer, [[h:Hacker]], Newbies, Einsteiger, Lurkers, Freaks, Nerds, Digerati, Agora, Brain, Labor, Archiv, Bibliothek usw.). Durch das I sollte oppositionelle Selbstvergesellschaftung zur Alltagspraxis werden, zugleich aber wurde es Nährboden unkritischer Gesellschaftskonzepte (Informations- bzw. Wissensgesellschaft, Netzwerkgesellschaft). Die Ausschöpfung seines technischen Potenzials verlieh dem [[k:Kapitalismus]] neue Strahlkraft. Ende der 1990er Jahre war die Kraft dieser <!--[-->[[m:Metapher|Metapher]]<!--]-->jedoch weitgehend erloschen; das I als domestiziertes Alltagsmedium ähnlich dem Telefon oder [[f:Fernsehen]] bedurfte ihrer nicht mehr.+In den 1980er und 90er Jahren spiegelte sich die rasch ausgreifende Rolle des I in einer Fülle metaphorischer Neologismen wider, die ein eigenes kleines Wörterbuch füllen könnten (Netz, <!--[-->[[m:Markt|Markt]]<!--]-->, Datenautobahn, Sites, Domänen, Home, Hosts, Landscape, virtual community, digitale Stadt, global village, virtuelle [[g:Gesellschaft]], Netzwerkgesellschaft, User, Surfer, [[h:Hacker]], Newbies, Einsteiger, Lurkers, Freaks, Nerds, Digerati, Agora, Brain, Labor, Archiv, Bibliothek usw.). Durch das I sollte oppositionelle Selbstvergesellschaftung zur Alltagspraxis werden, zugleich aber wurde es Nährboden unkritischer Gesellschaftskonzepte (Informations- bzw. Wissensgesellschaft, Netzwerkgesellschaft). Die Ausschöpfung seines technischen Potenzials verlieh dem [[k:Kapitalismus]] neue Strahlkraft. Ende der 1990er Jahre war die Kraft dieser <!--[-->[[m:Metapher|Metaphern]]<!--]--> jedoch weitgehend erloschen; das I als domestiziertes Alltagsmedium ähnlich dem Telefon oder [[f:Fernsehen]] bedurfte ihrer nicht mehr.
  
 I wird nicht mehr als Raum, sondern als Netzwerk (›Matrix‹) und vor allem als ein Medium verstanden, das an die klassischen Massenmedien anschließt. Multimedialität, neuartige Informationstiefe durch praktisch unbegrenzte Speicherkapazität, Aktualität, Authentizität und Selektivität sowie die Ermöglichung polydirektionaler und interaktiver Deliberation statt bloßer [[d:Distribution]] sind die Stichworte, die seine Spezifik beschreiben. In den medialen Verhältnissen, welche die Menschen zueinander eingehen, fungiert das I unterschiedlich: als kulturelles Pushmedium, das nach dem Kanalmodell des Fernsehens gedacht wird, als politisches Medium interaktiver Selbstverständigung der Öffentlichkeit, als Medium ökonomischer Transaktionen, bes. digitaler Ware-[[g:Geld]]-Beziehungen. I wird nicht mehr als Raum, sondern als Netzwerk (›Matrix‹) und vor allem als ein Medium verstanden, das an die klassischen Massenmedien anschließt. Multimedialität, neuartige Informationstiefe durch praktisch unbegrenzte Speicherkapazität, Aktualität, Authentizität und Selektivität sowie die Ermöglichung polydirektionaler und interaktiver Deliberation statt bloßer [[d:Distribution]] sind die Stichworte, die seine Spezifik beschreiben. In den medialen Verhältnissen, welche die Menschen zueinander eingehen, fungiert das I unterschiedlich: als kulturelles Pushmedium, das nach dem Kanalmodell des Fernsehens gedacht wird, als politisches Medium interaktiver Selbstverständigung der Öffentlichkeit, als Medium ökonomischer Transaktionen, bes. digitaler Ware-[[g:Geld]]-Beziehungen.

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i/internet.txt · Zuletzt geändert: 2018/03/07 14:30 von flo     Nach oben
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