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Funktion []

Funktion

A: waẓīfa. – E: function. – F: fonction. – R: fukcija. – S: función. – C: gongneng

Tilman Reitz

HKWM 4, 1999, Spalten 1111-1133

F dürfte neben Struktur der wichtigste nachontologische Grundbegriff des 20. Jh. sein. Beide Termini werden sowohl dafür in Anspruch genommen, traditionelles Substanzdenken zu zersetzen, als auch dafür, eine soziale Realität zu fassen, in der konkretes Sosein weitgehend durch abstrakte Beziehungen vermittelt ist. Sie sind Titel für qualifizierte Relationsbestimmungen, wobei die F im Gegensatz zur Struktur zeitliches Geschehen benennt. Der Begriff verweist zudem auf Subsumtions- und Abhängigkeitsverhältnisse; gemeinhin bezeichnet F die »einem Teil im Rahmen eines Ganzen obliegende Verrichtung« (Luhmann 1972). Daher eignet sich die Rede von F.en dazu, dasjenige an menschlicher Tätigkeit zu fassen, was nicht von der Selbstmächtigkeit der Einzelnen abhängt, sondern von den Handlungskontexten. Zusammengenommen ergeben diese Charakteristika die gesellschaftstheoretische wie politische Problematik des Begriffs: Fraglich ist, in welcher Form das übergeordnete Ganze besteht und erkannt (oder verändert) werden kann, wer oder was innerhalb dieses Ganzen die jeweiligen Aufgaben definiert bzw. zuteilt und ob schließlich antisubstanzialistisches Denken überhaupt stabile und eindeutige F-Zuweisungen anerkennen kann.

Marx bemüht sich vor allem in zwei Bereichen um die F-Problematik: in seiner Theorie des Ideologischen und bezüglich der Frage, wie sich der Kapitalmechanismus zu Akteursbewusstsein und Gesamtgesellschaft verhält. Eine eigene F-Begrifflichkeit entwickelt er nur im zweiten Kontext. Die marxistische Verwendung und Reflexion des F-Begriffs (letztere ist nur in Ansätzen zu beobachten) hat demgegenüber einen Schwerpunkt in der allgemeineren Frage, inwiefern die Auflösung traditionaler Unverfügbarkeiten Handlungsräume öffnet oder schließt. Ein zweiter ergibt sich durch die Ausrichtung darauf, diese Handlungsräume intellektuell zu erkämpfen: Die marxistische Auseinandersetzung mit Diskursen, die F.en latent halten oder naturalisieren, fragt immer auch nach der sozialen F solcher Diskurse selbst und beansprucht, die eigene autonom zu bestimmen.

Die Rede von F wird durch die Überlagerung sozialer, physiologisch-psychologischer und mathematischer Begriffsschichten kompliziert. Die ersten beiden verbindet der Umstand, dass es hier jeweils um bestimmte Leistungen geht – der Magen verdaut, der Verstand orientiert in der Realität, der Ideologe stabilisiert die Herrschaft. Der von Leibniz eingeführte mathematische F-Begriff leitet sich zwar gleichfalls vom Leistungssinn des Wortes ab, hat aber in seiner entwickelten Form kaum mehr etwas damit zu tun: Eine F ist hier eine Zuordnungsoperation, durch die (in fregescher Terminologie) einem Argument ein Wert beigelegt wird – etwa dem Argument 2 durch die F f (x) = x²+3 der Wert 7. Eine verbreitete Redeweise bezeichnet dabei die abhängige Variable (den Wert) als F der in den Ausdruck eingesetzten Größe. Formulierungen nach diesem Muster lassen sich häufig auch beobachten, wenn das mathematische Modell auf andere Kontexte übertragen wird und nurmehr Abhängigkeit meint: »In der einfachen Warenproduktion ist die Besitzverteilung der Produkte F der an sich geschehenden, nämlich unabhängig vom Warentausch möglichen Produktion« (Sohn-Rethel 1937). Es wird zu sehen sein, dass sich der mathematische F-Begriff eben deshalb der Stammbegrifflichkeit periodisch wieder annähern konnte, weil es in beiden Fällen um Abhängigkeitsrelationen geht.

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