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m:massenkultur [2018/03/08 09:44]
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m:massenkultur [2018/03/20 09:55] (aktuell)
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-Ohne arbeitende Massen keine M. Der Ausdruck wird in der zweiten Hälfte des 20. Jh. gängig und bezeichnet die ›massenhafte‹ Nutzung von kommerziell produzierten Möglichkeiten zur Unterhaltung und Vergnügung der Vielen. Lange Zeit transportiert er bürgerliche Kritik an vermeintlich unzivilisierten, rohen Massen. Alternative Bezeichnungen wie ›Populärkultur‹ und ›Popularkultur‹ stellen die Verankerung in Traditionen, Lebensformen und Wunschwelten subalterner Bevölkerungsschichten in den Vordergrund, während ›<!--[-->[[k:Kulturindustrie|Kulturindustrie]]<!--]-->‹ die Prägung durch das monopolkapitalistische System und seine Nivellierungsdynamik betont. Vereinfachend könnte man Antonio Gramsci, Ernst Bloch und Walter Benjamin als <!--[-->[[k:klassisch|klassische]]<!--]--> Vordenker der ersten Richtung, Clara Zetkin und Theodor W. Adorno als Exponenten der zweiten bezeichnen.+Ohne arbeitende [[m:Masse|Massen]] keine M. Der Ausdruck wird in der zweiten Hälfte des 20. Jh. gängig und bezeichnet die ›massenhafte‹ Nutzung von kommerziell produzierten Möglichkeiten zur Unterhaltung und Vergnügung der Vielen. Lange Zeit transportiert er bürgerliche Kritik an vermeintlich unzivilisierten, rohen Massen. Alternative Bezeichnungen wie ›Populärkultur‹ und ›Popularkultur‹ stellen die Verankerung in Traditionen, Lebensformen und Wunschwelten subalterner Bevölkerungsschichten in den Vordergrund, während ›<!--[-->[[k:Kulturindustrie|Kulturindustrie]]<!--]-->‹ die Prägung durch das monopolkapitalistische System und seine Nivellierungsdynamik betont. Vereinfachend könnte man Antonio Gramsci, Ernst Bloch und Walter Benjamin als <!--[-->[[k:klassisch|klassische]]<!--]--> Vordenker der ersten Richtung, Clara Zetkin und Theodor W. Adorno als Exponenten der zweiten bezeichnen.
  
 Auseinandersetzung mit M bedeutet bis in die 1960er Jahre im Wesentlichen deren Ablehnung. Eine Unterscheidung zwischen rechts und links, ›bürgerlich‹ und ›sozialistisch‹ greift dabei nur begrenzt. Eine fast uneingeschränkte Rekombination der Argumente und Wertmaßstäbe charakterisiert die M-Kritik. Anhaltend sinkendes ästhetisches, moralisches und intellektuelles Niveau gilt als strukturelles Merkmal. Homogenisierung und Uniformität (im globalen Maßstab) bedrohe die Vielfalt kultureller Traditionen. Inhaltlich werden Verherrlichung von [[g:Gewalt]] und Unmenschlichkeit angeprangert. Hinzu kommt Passivierung durch [[k:Konsumismus|Konsum]], die Fixierung von Erwartungen und <!--[-->[[g:Glück|Glücks]]<!--]-->vorstellungen auf Teilhabe an der Warenwelt. Aus dem Motiv heraus, die Subalternen sollten an den großen <!--[-->[[l:Leistung|Leistungen]]<!--]--> der Kultur teilhaben, finden sich alle diese Befürchtungen auch auf der Linken, doch strebt sie darüber hinaus Aktivierung und Selbstbestimmung an und will das Sich-Herausarbeiten aus der Subalternität auch auf dem Feld des Kulturellen organisieren. Auseinandersetzung mit M bedeutet bis in die 1960er Jahre im Wesentlichen deren Ablehnung. Eine Unterscheidung zwischen rechts und links, ›bürgerlich‹ und ›sozialistisch‹ greift dabei nur begrenzt. Eine fast uneingeschränkte Rekombination der Argumente und Wertmaßstäbe charakterisiert die M-Kritik. Anhaltend sinkendes ästhetisches, moralisches und intellektuelles Niveau gilt als strukturelles Merkmal. Homogenisierung und Uniformität (im globalen Maßstab) bedrohe die Vielfalt kultureller Traditionen. Inhaltlich werden Verherrlichung von [[g:Gewalt]] und Unmenschlichkeit angeprangert. Hinzu kommt Passivierung durch [[k:Konsumismus|Konsum]], die Fixierung von Erwartungen und <!--[-->[[g:Glück|Glücks]]<!--]-->vorstellungen auf Teilhabe an der Warenwelt. Aus dem Motiv heraus, die Subalternen sollten an den großen <!--[-->[[l:Leistung|Leistungen]]<!--]--> der Kultur teilhaben, finden sich alle diese Befürchtungen auch auf der Linken, doch strebt sie darüber hinaus Aktivierung und Selbstbestimmung an und will das Sich-Herausarbeiten aus der Subalternität auch auf dem Feld des Kulturellen organisieren.

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m/massenkultur.txt · Zuletzt geändert: 2018/03/20 09:55 von flo     Nach oben
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