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Erscheinung, Erscheinungsform []

Erscheinung, Erscheinungsform

A: ẓuhūr, šakl ẓuhūr. – E: appearance, form of appearance. – F: apparence, forme phénoménale. – R: javlenie, forma projavlenija. – S: aparencia, forma de manifestación. – C: xiangxiang, biaoxian xingshi

Wolfgang Fritz Haug

HKWM 3, 1997, Spalten 808-825

Der vieldeutige Ausdruck E mit seinen Zusammensetzungen (Natur-, Himmels-, Traum-E.en usw.) und Angrenzungen vor allem zu »Schein« (mit An-, Vor-, Wider-, Sonnenschein usw.) ist aus dem nicht weniger vieldeutigen Verb »erscheinen« gebildet, das »in allen Bedeutungen das Sichtbarwerden im Licht« enthält (Grimm), wie »scheinen« zunächst das Leuchten selber als die prozessuale Möglichkeitsbedingung alles Sehens und Sichtbarseins meint. Der Ausdruck, dessen Bedeutungen vom »Auftreten«, »Entstehen«, »Veröffentlicht werden« über das »Sich-Manifestieren« bis zum »Täuschen« reicht, reiht sich in die Licht- und Gesichtsmetaphorik ein, die in der Reflexion auf Erkenntnis so häufig ist (Aufklärung, Einsicht, Erhellung, Klarheit, lumen naturale, Heideggers »Lichtung« usw. vs. Blindheit, Dunkelheit usf. mit den in der Marxschen Metaphorik häufig beschworenen Sichthindernissen Dunst, Nebel, Wolken usw.). Der philosophische Term E, als von »Schein« kategorial unterschieden, übersetzt seit dem 18. Jh. das griech. φαινόμενον, Part. Pass. des Verbs φαίνω (vgl. τὸ φαός, att. τὸ φῶς: Licht, [Licht der] Öffentlichkeit, Lebenslicht; Glück, Rettung; Leuchte; Augen[licht]). Die Bedeutungen des aktivischen Gebrauchs von φαίνω reichen von »glänzen, leuchten, scheinen« über das zeigende »Ans-Licht-bringen« bis zu »jemandem leuchten, das Licht vorantragen«; der passivische Gebrauch reicht von »gezeigt werden, ans Tageslicht kommen« über »entstehen, werden; plötzlich kommen« bis zum abgeschliffenen adverbialen Sinn von »offenbar, wirklich« oder »den Anschein haben, dass bzw. als ob« (Gemoll). Es gibt »zahlreiche Komposita und Ableitungen« (vgl. Frisk 2); bei vielen derselben überlagern sich (wie bei φαιδός, »heiter, glänzend, strahlend«) Klarheit und Herrlichkeit, also Wahrheit und Macht, eklatanter Ruhm und Herrschaft.

Dass der Term »E« in seiner Differenz zu »Schein« zu den schwer in andere Sprachen zu übersetzenden Ausdrücken gehört, lässt sich bei Lalande beobachten: Er übersetzt apparence mit Schein, bringt dann aber als erste Definition »aspect d’une chose« mit dem Beispiel »un édifice de médiocre apparence«. Diese Bedeutung, die mit E wiederzugeben wäre, »n’appartient pas à la langue philosophique«. Als metaphysischer Term: »Jede Darstellung, insofern sie als verschieden von dem Ding an sich, das ihr entspricht«, aufgefasst wird. Kritisch wird dazu bemerkt, es sei, um die Äquivokation mit »Schein« zu vermeiden, besser, von »Phänomen« zu sprechen. Phänomen zu sein werde »im weitesten Sinn von allen Fakten, welche die Materie der Wissenschaften bilden, ausgesagt« (vgl. Descartes, Principia, III). […]

Marx verlässt das Terrain der traditionellen Philosophie mit ihren rivalisierenden Lösungen, auf dem Hegels Dialektik trotz ihrer geschichtsphilosophischen Neuartigkeit, die historischen Gestalten auseinander hervorgehen zu lasssen, verbleibt. Die Problematik, die Marx als die der E artikuliert, ist die der in der Sache selbst begründeten epistemischen Hindernisse. Dass E (im Sinne dessen, was ohne weitere Untersuchung für die Sache selbst gehalten wird) und »Wirklichkeit« oder »Wesen« des Erscheinenden auseinanderfallen, artikuliert in seiner Sprache die Erkenntnisproblematik. Zumal als formbestimmte ist die E »Erscheinungsform«. Das epistemische Problem liegt dann in der Verkennung der Formbestimmung. E oder EF nehmen dabei oft die Bedeutung eines Stützpunkts von Ideologie an.

Die marxsche Terminologie ist aber uneindeutig und zuweilen irreführend. E kann »unmittelbare Realitätsform« (Sève 1980) bedeuten, aber auch ähnlich wie »Gegenstand, Ding, Prozess usw.« gebraucht werden (Kröber 1975). »Erscheinen« verwendet er oft zwischen »auftreten« oder »vorkommen« oder »gelten« (vgl. MEGA II.5, wo im Kontext EF als »Verwirklichungsform« gefasst ist) und, oft auch subversivem, Aufnehmen der traditionellen philosophischen Terminologie. Das trug dazu bei, dass im Marxismus immer wieder auf vormarxsche, ja vorkantische Metaphysik zurückgefallen wurde.

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e/erscheinung_erscheinungsform.txt · Zuletzt geändert: 2018/03/07 17:26 von flo     Nach oben
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