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Enttäuschung []

Enttäuschung

A: iḥbāṭ. – E: disillusionment. – F: déception. – R: razočarovanie. – S: decepción. – C: shiwang

Herbert Claas

HKWM 3, 1997, Spalten 536-553

Die Wortbildung bezeichnet das Doppelte, dass eine Erwartung nicht erfüllt und zugleich die unzutreffende Vorstellung aufgelöst wird, von der sie ausging. Johann Heinrich Campe schlug um 1800 mit dem Verbum entteuschen ein Ersatzwort für die französischen Lehnwörter desabusiren und detrompiren vor. Dieses setzt sich durch im Sinne des Beendens eines Irrtums – so noch im grimmschen Wörterbuch (1862) als ex errore rapere, aus der teuschung ziehen –, bis gegen Ende des 19. Jh. die einsinnig negative Konnotation der mit dem Präfix ent- gebildeten Wörter übrigblieb (ausführlich: Deutsches Wörterbuch, 1995). Im alltäglichen Sprachgebrauch meinte das Verb und nun auch das Substantiv E: die herabstimmende Nichterfüllung einer Erwartung, aus der nicht notwendig mehr folgt als schlechte Laune. Die doppelte Negation schrumpft auf den Rest der einfachen Lebenserfahrung, dass es meist schlechter kommt und es immer eine angenehme Täuschung über den zukünftigen Zustand ist, die sich auflöst. (Für das Gegenteil, die Erleichterung von der Erwartung eines Übels, gibt es deshalb kein einzelnes Wort. Man spricht von »angenehmer Überraschung«, wenn ein unverhoffter Glücksfall sich ereignet oder eine Befürchtung sich als gegenstandslos erweist. Die Verwendung des Wortes E gilt dann als Ironie.) Die Sprache als Organ der Gesellschaft bildet deren Möglichkeitsräume ab. Im Deutschen ist die komplexe Bedeutung von E auseinandergefallen und verlor ihre aktivierende Spitze. Mehrere andere Sprachen haben Wörter für E, die Beendigung von Täuschung und einen subjektiven Anteil an deren vormaligem Zustandekommen, ihr Selbsttäuschungsmoment also, andeuten: neben dem englischen disappointment stehen disillusion, disenchantment (Ernüchterung, Entzauberung). Das spanische ilusión kann gar gleichbedeutend mit esperanza (Hoffnung) verwendet werden und gibt so auf, Täuschung aus Erwartung heraushalten zu wollen. (Vgl. hierzu Hirschman 1984) – Das Wort E strebt mit seiner Bedeutungsgeschichte in marxistische Zuständigkeit, schon bevor der Begriff des Ideologischen seine marxistische Prägung im Sinne des illusionären Für-Wahr-Haltens erfuhr. Dort angekommen, enthüllt E vergangenes Fühlen, Denken und Handeln als fehlgeleitetes und verlangt vom künftigen, dass es die Erfahrung des Irrens mitsprechen lässt.

Antizipation, Arbeiterbewegung, Aufklärung, Befreiung, Brecht-Linie, Denken, Dummheit, Eingedenken, eingreifendes Denken, Ende der Geschichte, Engagement, Entscheidung, Entwurf, episches Theater, Epoche, Erfahrung, Erinnerung, falsches Bewusstsein, Faschismus, Fetischcharakter der Ware, Fortschritt, Frankfurter Schule, Frustration, Gefängnishefte, Geschichte, Geschichtsphilosophie, Hegelianismus, Hegemonie, Ideologiekritik, Ideologietheorie, Illusion, Irrtum, Katharsis, Krise des Marxismus, Kritische Theorie, Optimismus/Pessimismus, Philosophie der Praxis, Projekt, Prophetie, Revolution, Sein/Bewusstsein, Selbstkritik, Sinn, Unglück, Utopie, Zweifel, Zynismus

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