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Entbettung []

Entbettung

A: iḫrāǧ šay‛ min iṭārihi. – E: disembedding. – F: désencastrement. – R: dizėmbedding, lišenie ballastnogo sloja. – S: desarraigar. – C: tuochuang

Elmar Altvater

HKWM 3, 1997, Spalten 438-444

»E« wird zum aktuellen politisch-ökonomischen Schlagwort, als der »eingebettete Liberalismus in der Nachkriegs-Wirtschaftsordnung« (Ruggie 1982) im Zuge der neoliberalen Globalisierung abgebaut wird. Die Auseinandersetzungen um »Deregulierung« lenken die Aufmerksamkeit darauf, dass ›reine‹ (unregulierte) Märkte eine unhistorische Modellannahme sind, dass aber spezifische Schübe von E (die den realen Markt in irgendeiner Hinsicht diesem Modell annähern) die Genesis und Geschichte des Kapitalismus begleitet haben.

Märkte haben eine Geschichte, die bis in die neolithische Zeit vor einigen tausend Jahren zurückreicht. Doch die ›Vermarktwirtschaftlichung‹ von Boden und Arbeitskraft, darauf aufbauend die Verwandlung von Geld und Kapital in Waren zweiten Grades, sind jüngeren Datums und eigentlich erst seit der industriellen Revolution zum durchschlagenden, gesellschaftlich dominanten, nämlich kapitalistischen Prinzip geworden. Erst seit dieser Zeit kann von »Marktwirtschaft« als einer gesellschaftlichen Totalität gesprochen werden; vorher handelte es sich allenfalls um »Märktewirtschaft« (Fernand Braudel). »Freie Lohnarbeit« gibt es tatsächlich als generalisierte und globalisierte gesellschaftliche Form der Verausgabung von Arbeit noch nicht sehr lange. Im frühen Kapitalismus war die Familie (worauf Hobsbawm 1995 hinweist) für die Erzeugung des »natürlichen Hangs zur Arbeit« – für Loyalität und für die Ausbildung der später sogenannten »Sekundärtugenden« – verantwortlich. Zur »Freiheit« mussten die Lohnarbeiter, wie die Frühgeschichte der kapitalistischen Produktionsweise zeigt, mit Gewalt gezwungen werden.

Braudel datiert diese »great transformation« schon vor die Zeit der industriellen Revolution (1986a), Polanyi erst ins späte 18. und frühe 19. Jh., jedenfalls was England betrifft (1978). Die Wirtschaft entbettet sich aus der Gesellschaft und zwingt ihr zugleich ihre Regeln auf. […]

Folgende Aspekte der E-These haben besondere Aufmerksamkeit auf sich gezogen: 1. lassen sich Stufen eines historischen Prozesses der E bzw. des »E-Mechanismus« (Giddens) festhalten, die nicht alle schon von Polanyi überblickt worden sind; 2. die Intensität des E-Prozesses wird dadurch gesteigert, dass sich das Geld des Marktes gegenüber dem »disembedded market« verselbständigt und 3. die Ökonomie globalisiert wird; 4. ein globales Zeit- und Raumregime bildet sich gegen die lokalen und regionalen, kulturell verwurzelten Zeit- und Raumerfahrungen heraus, die Grenzen zwischen den konkreten sozialen Räume werden bedeutungslos; 5. möglich ist diese Dynamik aber nur deshalb, weil die E-Mechanismen mit einem kraftvollen Antriebsstoff versehen wurden: mit fossilen und nuklearen Energien, die die begrenzten biotischen Energien von Mensch und Tier ersetzt haben.

Akkumulation, Energie, Fetischcharakter der Ware, Finanzkapital, Form, formelle/reelle Subsumtion, Freiheit, Fundamentalismus, Geld, Gemeinschaft, Gewalt, Globalisierung, Kredit, Kultur, Marktwirtschaft, Neoliberalismus, Rationalität, Raum, Regulationstheorie, Sinn, Solidarität, Tradition, Verselbständigung, Weltmarkt, Wertformanalyse, Zeit, Zukunft

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