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Kapital-Editionen []

Kapital-Editionen

A: iṣdārāt arra’smāl. – E: Capital-editions. – F: éditions du Capital. – R: izdanija Kapitala. – S: ediciones de El Capital. – C: zibenlun banben 资本论 版本

Thomas Marxhausen

HKWM 7/I, 2008, Spalten 136-160

»Solange es Kapitalisten und Arbeiter in der Welt gibt, ist kein Buch erschienen, welches für die Arbeiter von solcher Wichtigkeit wäre, wie das vorliegende.« So beginnt Engels’ Besprechung von K I im Demokratischen Wochenblatt (21.3.1868). Franz Mehring erklärte das Kapital (das inzwischen um die von Engels nach dem Tode von Marx herausgegebenen Bände II und III ergänzt war, was er aber nicht eigens würdigt) zum »Hauptwerk des wissenschaftlichen Kommunismus« (1898/1922). Marx selbst begriff das Kapital als »das furchtbarste Missile, das den Bürgern (Grundeigentümer eingeschlossen) noch an den Kopf geschleudert worden ist« (an J.Ph.Becker, 17.4.1867). »Mit der Einsicht« in die ökonomischen Gesetze des Kapitalismus »stürzt, vor dem praktischen Zusammensturz, aller theoretische Glauben in die permanente Notwendigkeit der bestehenden Zustände« (an L.Kugelmann, 11.7.1868). Marx war bewusst, dass dieses sein Werk »die Furien des Privatinteresses« als die »heftigsten, kleinlichsten und gehässigsten Leidenschaften der menschlichen Brust […] auf den Kampfplatz« rufen würde (…).

An der Herausgabe waren drei Personen beteiligt: Die erste (1867) und zweite Auflage von Band I (1872/73) wurde von Marx bearbeitet, die französische Ausgabe (1872-75) von ihm zur Gänze durchgreifend überarbeitet, so dass die Formel »entièrement revisée« auf dem Titel »keineswegs der Phrase halber steht […], denn ich habe Teufelsarbeit damit« (an Sorge 21.6.72). Die 3. und 4. Auflage (1883, 1890) sowie die englische Ausgabe von K I (1887) bearbeitete Engels, der ferner K II (1885) und K III (1894) herausgab. Obgleich er sich bis zuletzt mit dem Gedanken trug, Buch IV zur Geschichte der Theorie »nach Beseitigung der zahlreichen durch Buch II und III bereits erledigten Stellen« (…) aus dem Ms 61-63 (…) zu publizieren (an Kautsky, 22.11.1894), konnte er diese Absicht nicht mehr in die Tat umsetzen. Dieser Aufgabe nahm sich Karl Kautsky in der Gewissheit an, im Sinn von Engels zu handeln (zur Editionsgeschichte Sander 1983; Marxhausen 1990). Er erkannte, dass eine »einfache Streichung« (1905) auf Grund der Verschlingung theoretischer und theoriegeschichtlicher Passagen noch lange kein druckfertiges Werk hervorbrächte; die völlige Umarbeitung »wichtiger Partien« kam nicht in Frage. Deshalb veröffentlichte er das Material statt als »eine Fortsetzung der ersten drei Bände« als ein »Parallelwerk zum ›Kapital‹« (…) unter dem Titel Theorien über den Mehrwert in drei Teilen zwischen 1905 und 1910. Die (auch politisch motivierte) Kritik der MEW-Herausgeber, die Ausgabe sei »den Ansprüchen an eine wissenschaftliche Marx-Edition nicht gerecht« geworden (IML 1965), ignoriert, dass Kautsky ähnliche Probleme wie Engels bei K II und K III auf entsprechende Weise lösen musste.

Ob die postumen Ausgaben, zumal Engels’ Bearbeitung von K II und K III, Marx’ Intentionen und seinem wissenschaftlichen Standard entsprechen, oder ob Engels nur »eine bestimmte Interpretation« der marxschen Theorie bietet (Wygodski 1993), wird als ›Marx-Engels-Problem‹ kontrovers diskutiert (u.a. durch Backhaus/Reichelt 1994; Heinrich 1995; Ollmann 1995; Jahn 1996; Vollgraf 1996). Im ML wurde diese Diskussion unter Verweis auf Engels’ Redaktionsberichte (…) unterbunden (Leontjew 1970; Jahn 1988). Die Einschätzung der Editoren des Redaktionsmanuskripts von K II trifft auch für die Arbeit am dritten Band zu: Engels wollte den marxschen Text nicht »vorsätzlich verändern […], zahlreiche Abweichungen erklären sich vielmehr lediglich als Verbesserungen von Mängeln in der Vorlage. In diesen Fällen hat Engels eindeutige Fehler des Manuskripts von Marx korrigiert oder abgekürzte Passagen ergänzt« (IMES 2005); nur ein Teil der marxschen Manuskripte kann »als Reinschrift betrachtet werden; ein anderer Teil gewann während des Schreibens den Charakter von Erörterungen, die allerdings mehr der Selbstverständigung als der Darstellung bereits gewonnener Positionen dienten« (…), wodurch Engels zu Eingriffen gezwungen war.

Die MEGA2-Edition sämtlicher Manuskripte u.a. Materialien belegt, was Engels auf sich nahm. Ohne ihn wäre es vermutlich nicht einmal zu K I gekommen: »Dear Fred, Eben den letzten Bogen (49.) des Buchs fertig korrigiert. […] Also dieser Band ist fertig. Bloß Dir verdanke ich es, dass dies möglich war! Ohne Deine Aufopferung für mich konnte ich unmöglich die ungeheuren Arbeiten zu den 3 Bänden machen«, schrieb Marx am 16.8.1867 »2 Uhr Nacht« an Engels (…).

In der Presse der Arbeiterbewegung wurde K I über umfangreiche Rezensionen aufgenommen (Wiedergabe bei Dlubek/Skambraks 1967); ihnen folgten Einführungen wie von Johann Most (1873), deren 2. Auflage Marx stark überarbeitete (…), von Carlo Cafiero (1879), Ferdinand Domela Nieuwenhuis (1881), Gabriel Deville (1883) und Edward Aveling (1892); »gemeinverständliche« Darstellungen von K I wie die von Kautsky (1887) bzw. der drei Bände durch Julian Borchardt (Marx 1919); Karl Korsch (1932/1970) gab einen kommentierten Nachdruck der 2. Aufl. von K I heraus.

Die Verklärung des ersten Bandes als »Evangelium« (L.Kugelmann an Engels, 25.11.1867, zit.n. Dlubek/Skambraks 1967) und »Bibel des Sozialismus« (Der Vorbote, Genf, 1868) bzw. »Bibel der Arbeiterklasse« (…) überstrahlte die Folgebände; selbst Mehrings Geschichte der Sozialdemokratie widmet diesen keine eigene Darstellung. – Nach Engels wirkte die marxsche KrpÖ mit der »materialistischen Geschichtsauffassung« darin zusammen, aus dem »Sozialismus eine Wissenschaft« (Utopie) zu machen. In der Rezeption ging der Schluss des Satzes unter: »eine Wissenschaft, die es sich nun zunächst darum handelt, in allen ihren Einzelheiten und Zusammenhängen weiter auszuarbeiten« (…). Dass damit auch die ausstehenden Kapital-Bände gemeint waren, liegt nahe. Während der Bearbeitung von K III stellt Engels fest: »Erst hierdurch erhält unsre Theorie eine unerschütterliche Basis und werden wir befähigt, nach allen Seiten siegreich Front zu machen.« (An Bebel, 4.4.1885) In der »sozialistischen Bewegung im ganzen« allerdings fand nach Rosa Luxemburgs Diagnose von 1903 »der dritte Band in den weiten Kreisen, wo bereits die Gedankengänge des ersten Bandes herrschten, in Wahrheit gar keinen Widerhall« (…), obwohl er, wie ein Überblick ausweist (IMES 2003b), seit Mitte der 1870er Jahre eingefordert wurde. Die Reaktion auf K III setzte ein seitens der Grenznutzenschule (Böhm-Bawerk 1896), von der die Theorie des Produktionspreises gegen die Werttheorie in K I ausgespielt wurde. Marxistische Theoretiker wandten sich erst im 20. Jh. K II und K III zu; ihnen ging es vornehmlich um die Akkumulations- und Reproduktionstheorie unter dem Gesichtspunkt eines möglichen ›Zusammenbruchs‹ der kapitalistischen Produktionsweise (Hilferding 1910; Luxemburg 1913, Akku; Bucharin 1920; Sternberg 1929; Grossmann 1929). Am Beginn des 21. Jh. wird der von Marx 1867 diagnostizierte Zusammenhang zwischen der »Akkumulation von Reichtum auf dem einen Pol« und der von »Elend, Arbeitsqual, Sklaverei, Unwissenheit, Brutalisierung und moralischer Degradation auf dem Gegenpol« (…) im Zeichen der neoliberalen Globalisierung weltweit auf neue Weise erfahren, was dem Kapital eine neue Welle der Rezeption bescheren dürfte.

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